Anton von Euw: Das Buch der vier Evangelien - Kölns karolingische Evangelienbücher. Begleitheft zur Ausstellung des Schnütgen-Museums, Köln 7. April - 9. Juli 1989. Kölner Museums-Bulletin, Sonderheft 1/1989, S. 42-49.
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Nummer 2 - 3 - 4 - 5 - 223 - 224 - 225 - 226 - 227 - 228 - 229 - 230 - 231 - 232 - 233 - 234 - 235 - 236 - 237 - 238 - 239 - 240 - 241 - 242 - 243 - 244 - 245 - 246 - 247 - 248 - 249 - 250 - 251 - 252 - 253 - 254 - 255 - 256 - 257 - 258 - 259 - 260 - 261 - 262 - 263 - 264 - 265 - 266 - 267 - 268 - 269 - 270 - 271 - 272 - 273 - 275 - 276 - 409 - 410 - 411 - 412 - 413 - 414 - 415
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Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Dom Hs. 13
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Pergament, 195 Blätter, 360 x 260 mm. Schriftspiegel 260 x 190 mm, zweispaltig zu 25 Zeilen, Abstände der Lineatur von links nach rechts 8, 75, 8, 15, 8, 65, 8. Signierte Lagen: l2, 26, 3-78 (qII-qVI), 84+2, 91+8 (qVIII), 10-128 (qVIIII-qXI), 134, 148-1 (I), 15-208 (II-VII), 216-1 (VIII), 22-268 (nicht sign.), 274. Evangelientext in großer karolingischer Minuskel, nach Art der Unzial-Handschriften in langen und kurzen Zeilen mit brauner Tinte geschrieben. Anfangsbuchstaben nach Interpunktionen im Text unzial, Initialen zu den Anfän- Seite 43 gen der Eusebianischen Sinnabschnitte kapital in Minium. Marginale Kapitelzahlen und Zahlen der Eusebianischen Canones in Minium, die Konkordanzen in Tinte. Außer dem 'Liber generationis' und 'Initium', die mit 3 und 4 Zeilen kapital und unzial ausgezeichnet sind, werden die Evangelienanfänge mit einer Initiale in brauner und roter Federzeichnung betont, das Q(uoniam) fol. 92r schmücken ein Vogel, der eine Schlange frißt, und ein Fisch als Cauda, das I(n principio) fol. 153r füllt Flechtband. Evangelisten-Bildseiten in Deckfarbenmalerei mit Blau, Gelb, Grün, Orange (Minium), Braun, Weiß und Schwarz, die Inschriften in Halbunziale.
Einband: Braunes Rindsleder mit massiver Deckelfüllung, Stempel mit G-förmigen Ranken sowie Vierpaßrosetten, Streicheisen, wohl 16. Jahrhundert.
Inhalt: Fol. lr-4v Matthäusbild und Vorreden zu den vier Evangelien. 1r leer, 1v Bild des Evangelisten Matthäus mit der Inschrift MATTHEUS EUANG(E)L(ISTA), 3r-4r Prolog Plures fuisse, 4r-4v Matthäus-Argument Mattheus sicut in
ordine.
Fol. 5r-8v Fünfseitige Kanonfolge in Form von einfachen Kolumnen, die durch miniumfarbige Balken voneinander getrennt sind. Matthäus-Argument. 5r Can. I:IIII, 5r-6r Can. II:III - III:III, IIII:III, V:II, 6v-7r Can. VI:II, VII:II, VIII:II, X:I, X:I, X:I - X:I, 7v leer, 8r Matthäus-Argument Matthäus sicut in ordine primus (Wiederholung), 8v leer.
Fol. 9r-54r Matthäusevangelium. 9r Beginn des Matthäusevangeliums mit kapitalem L(IBER) und drei Zeilen Auszeichnungsschrift in Uncialis. 54r Schluß des Matthäusevangeliums und Subskription: a capite usque hic scripsit et requisivit seruus u(este)r hiltfredus (= von Anfang an bis hier schrieb und überprüfte (das Geschriebene) euer Diener Hiltfred). 54v-55r leer.
Fol. 55v-90r Markusevangelium mit Vorrede und Kapitelverzeichnis. 55v Bild des Evangelisten Markus mit der Inschrift MARCUS, über dem anthropomorphen Symbol leo, 56r Markus-Argument Marcus evangelista, 56v-57v Kapitelverzeichnis (I-XLVII), 58r Beginn des Marcusevangeliums mit kapitalem I(NITIUM) und vier Zeilen Auszeichnungsschrift in Uncialis, 90r Schluß des Markusevangeliums, 90v leer.
Fol. 91r-151r Lukasevangelium. 91r Bild des Evangelisten Lukas (ohne Inschrift), über dem Symbol uitu(lus), 91v leer, 92vr Beginn des Lukasevangeliums mit der Initiale Q(uoniam), 151r Schluß des Lukasevangeliums, 151v leer.
Fol. 152r-194r Johannesevangelium. 152r Bild des Evangelisten Johannes mit der Inschrift IOH(AN)NIS, über dem Symbol aquila, 152v leer, 153r Beginn des Johannesevangeliums mit der Initiale I(N PRINCIPIO), 194v Schluß des Johannesevangeliums. Fol. 194v-195v Fragment eines Capitulare Evangeliorum, wohl von jüngerer Hand, mit einem Teil des Commune Sanctorum, endend mit der Votivmesse de quacumque tribulatione, 195v leer, unten Anfang von Psalm 1.
Entstehungsgeschichte: Die Handschrift gehörte möglicherweise schon zu den Bucherwerbungen Erzbischof Hildebalds von Köln (785-818). Nach Nordenfalk entstammt sie einem westfränkischen Skriptorium, jedoch keinem der bekannten; auch über den sich fol. 54r als Schreiber nennenden Hiltfred war bis anhin nichts zu erfahren. Doch zeugen seine kräftige etwas altertümliche Schrift mit ihren offenen a und die Evangelistenbilder, deren Symbole als Imagines clipeatae wie Schlußsteine in die Scheitel der Arkadenbögen gesetzt sind, von einer guten schreib- und buchkünstlerischen Tradition des Skriptoriums, in dem nach Hiltfred die Handschrift ein jüngerer Schreiber weiterschrieb. Die Evangelistenbilder werden Miniaturen vergleichbar, die der griechische Chludov-Psalter, Cod. gr. 129 im Historischen Museum zu Moskau, überliefert. Dieser entstand zwar erst nach Abschluß des byzantinischen Bilderstreites (726-787; 843), bewahrt aber mit seinem Davidbild (Abb. 32) vorikonoklastische Typen frontal sitzender Autoren in Kombination mit einer Imago clipeata, wie sie später auch die franko-sächsische Schule ausbildete (Abb. 37). In Ikonographie und Stil vergleichbare, teilweise auf italobyzantinische Vor- Seite 44 läufer fußende Evangelistenbilder schuf auch die insulare Buchmalerei, beispielsweise in ihrem berühmten Codex Lindisfamensis, Cotton Nero D. IV der British Library, London, oder im Codex Aureus aus Canterbury, A. 135 der Kungliga Biblioteket, Stockholm (C. Nordenfalk, Insulare Buchmalerei, München 1977, Taf. 21, 36 f.).
Literatur: Ph. Jaffé, W. Wattenbach, Ecclesiae Metropolitanae Coloniensis Codices Manuscripti, Berlin 1874, No. 13. - H. Ehl, Die ottonische Kölner Buchmalerei, Bonn-Leipzig 1922, S. 17 ff. - A. Boeckler, Die Evangelistenbilder der Adagruppe, in: Münchner Jahrbuch 3. F. 3/4, 1952/1953, S. 125, Anm. 10. - H. Schnitzler, Rheinische Schatzkammer I, Düsseldorf 1957, Nr. 17. - Kat. Karl der Große, Aachen 1965, Nr. 494 (C. Nordenfalk). - Kat. Rhein und Maas, Köln 1962, Nr. A 7. - W. Schulten, Der Kölner Domschatz, Köln 1980, Nr. 4. - Kat. Ornamenta Ecclesiae 2, Köln 1985, Nr. E 24. - A. von Euw, Liber Viventium Fabariensis. Das karolingische Memorialbuch von Pfäfers in seiner Liturgie- und kunstgeschichtlichen Bedeutung, Bern-Stuttgart 1989, S. 179 f., Abb. 133.
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Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Dom Hs. 56
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Pergament, 139 Blätter, 330 x 265 mm. Schriftspiegel 225 x 225 mm, zweispaltig zu 30 Zeilen, Abstände der Lineatur von links nach rechts 15, 8, 75, 8, 14, 8, 70, 8, 20 mm. Spiegel der Evangelistenbilder 230 x 155 mm. Lagen ohne Signaturen: 11, 26, 3-68, 78-l, 8-188, 196. Evangelientext in großer, Vorreden in kleinerer karolingischer Minuskel mit brauner Tinte. Anfangsbuchstaben nach Interpunktionen im Text unzial, Initialen zu den Kapitelanfängen kapital in Minium, ebenso die darauf folgenden unzial geschriebenen Zeilen und die marginalen Kapitelzahlen sowie die Zahlen der Eusebianischen Canones; die Konkordanzen in Tinte. Auszeichnung der Evangelienanfänge in roter Capitalis quadrata sowie Capitalis rustica. Titelseite zu den Canones in Capitalis monumentalis mit Tinte und Minium. Kanontafeln und Evangelistenbilder in Deckfarbenmalerei, erstere vorwiegend blau, ocker, lila, weiß gehöht, letztere blau, oker, grün, rot, braun, weiß und schwarz.
Einband: Pergament mit massiver Deckelfüllung aus Papiermache, Mitte des 18. Jahrhunderts.
Inhalt: Fol. 1r-2r Vorrede Novum opus. fol. 2v-7r Titelseite und neunseitige Kanonfolge. 2v Titelseite IN NOMINE D(OMI)N(I) NOSTRI IH(ES)V XP(IST)I INCIPIVNT CANONES, 3r Can. I:IIII, 3v-4r Can. I:III, II:III - II:III, II:III, 4v-5r Can. II:III, II:III -III:III, III:III, 5v-6r Can. V:II, V:II - VI:II, VII:II, VIII:II, VIIII:II, 6v-7r Can. X:I, X:I, X:I
-X:I.
Fol. 7v-42v Vorreden zu den vier Evangelien, Matthäus-Argument, Kapitelverzeichnis und Matthäusbild sowie Matthäusevangelium. 7v Prolog Sciendum, 8r-8v Prolog Plures fuisse, 9r Matthäus-Argument Matthäus ex Iudaea, 9v-10r Kapitelverzeichnis (I-XXVIII), 10v Bild des Evangelisten Matthäus, im auf dem Pult aufgeschlagenen Evangelienbuch der Beginn des Matthäusevangeliums INCIP(IT) EVANGELIUVM SECVNDVM MATH(EVM) LIBER GENERATIONIS IH(ES)V XP(IST)I FILII D(AVI)D, die Inschrift auf dem Buch, das auf den Knien des Evangelisten liegt, gleicht einer kursiven Tachygraphie, 11r-42v Text des Matthäusevangeliums. 43r/v ist das Einzelblatt eines Bifoliums, dessen linke Seite herausgerissen wurde. Sie enthielt den jetzt fehlenden Schluß des Matthäusevangeliums, der jetzt mit Mt 28,7 Ibi eium videbitis sicut dixit vobis endet. Entsprechend der Reihenfolge von Bild und Text im Lukas- und Johannesevange- Seite 45 lium wäre auf dem Verso des entwendeten Blattes das Bild des Evangelisten Markus zu sehen gewesen.
Fol. 43r-64r (Markusbild fehlt), Markus-Argument, Kapitelverzeichnis und Markusevangelium. 43r Markus-Argument Marcus evangelista, 43r-43v Kapitelverzeichnis (I-XIII), 44r-64r Text des Markusevangeliums.
Fol. 64v-101r Lukasbild, Lukas-Argument, Kapitelverzeichnis und Lukasevangelium. 64v Bild des Evangelisten Lukas, Inschrift im Buch: SEQ(ENTIA) S(AN)C(T)I EV(AN)G(ELII) S(E)C(VN)D(VM) LVC(AM), 65r Lukas-Argument Lucas Syrus, 65v-66r Kapitelverzeichnis (I-XX),
66v-101r Text des Lukasevangeliums.
Fol. 101v-129r Johannesbild, Johannes-Argument, Kapitelverzeichnis und Johannesevangelium. 101v Bild des Evangelisten Johannes, Inschrift im Buch auf dem Pult: SEQ(ENTIA) S(AN)C(T)I EVANGELII SEC(VNDVM) iohanne(m), im auf den Knien liegenden Buch IN PRINCIPIO, 102r Johannes-Argument Hic est Iohannes, 102v Kapitelverzeichnis (I-XIIII), 103r-129r Text des Johannesevangeliums.
Fol. 129r-139v Capitulare Evangeliorum. Die Handschrift enthält lateinische und griechische Glossen, teilweise von der Hand des Schreibers, teilweise später angebracht (vgl. Bischoff, in: Mittelalterliche Studien I, S. 104 ff.).
Entstehungsgeschichte: Nach den Untersuchungen Bernhard Bischoffs hängen der Evangelientext und die Glossen mit jenem von ihm dem Ur-Exemplar der Vulgata des hl. Hieronymus nahe gerückten Codex 1395 der St. Galler Stiftsbibliothek zusammen, der jedoch weder Kanontafeln noch Evangelistenbilder enthält. Zur Gruppe der mit dem Sangallensis textlich verwandten Evangeliare gehören zudem Handschriften wie Clm 17011, der unter Bischof Anno (854-875) in Freising entstand. Clm 17011 enthält aber Evangelistenbilder, deren Verwandtschaft mit denjenigen unserer Handschrift nicht zu übersehen ist; andere Evangeliare wie W. 4. der Walters Art Gallery, Baltimore, und Clm 6215 der Bayerischen Staatsbibliothek, München, schließen sich mit ihren Bildern jener karolingischen Freisinger Schule an, der man früher auch cod. 56 der Kölner Dombibliothek zuschrieb. Davon ist jedoch, wie schon Bischoff sagte und Florentine Mütherich zuletzt betonte. Abstand zu nehmen. Cod. 56 unterscheidet sich nicht nur in der Gestaltung der Evangelistenbilder, sondern auch der Kanontafeln von den bayerischen Handschriften. Die Kanontafeln mit auf nur zwei Säulen aufgesetzten Spitzgiebeln sind offenbar Kopien einer griechischen Ausgabe der Eusebianischen Canones, die Frau Mütherich in mittelbyzantinischen Handschriften nachweisen konnte. Die Evangelistenbilder entstammen ebenso griechischen, wahrscheinlich noch spätantiken Vorlagen und dürften in karolingischer Zeit mit Evangelistensymbolen bereichert worden sein. Tatsächlich verbreiten sowohl die helltonigen spitzgiebeligen Kanontafeln als auch die farbenstark leuchtenden Evangelistenbilder von Cod. 56 etwas von jener Atmosphäre, von der die Urbilder sowohl der Architektur als auch der menschlichen Figur umgeben waren. Die Suche nach dem heute noch unbekannten Ursprungsort der Handschrift wird man gewissermaßen in Aachen beginnen, müssen, dessen karolingische Palastschule Handschriften wie das Wiener Krönungsevangeliar schuf, das sowohl im Bereich der Kanontafeln als auch der Evangelistenbilder ähnliche, antikennahe Vorstellungen verwirklichte.
Literatur: Ph. Jaffé, W. Wattenbach, Ecclesiae Metropolitanae Coloniensis Codices Manuscripti, Berlin 1874, No. 56. - H. Ehl, Die ottonische Kölner Buchmalerei, Bonn-Leipzig 1922, S. 21 ff. - H. Schnitzler, Rheinische Schatzkammer I, Düsseldorf 1957, Nr. 20. - B. Bischoff, Zur Rekonstruktion der ältesten Handschrift der Vulgata-Evangelien und der Vorlage ihrer Marginalien, in: Mittelalterliche Studien I, Stuttgart 1966, S. 104 ff. - F. Mütherich, The Gospel Book W. 4. of the Walters Art Gallery and Its Place in the Freising Scriptorium, in: Gatherings in Honor of Dorothy E. Miner, Baltimore 1974, p. 115 ss. - C. Nordenfalk, Der inspirierte Evangelist, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 36, 1983, S. 187. - F. Mütherich, Die Kanontafeln des Evangeliars Cod. 56 Seite 46 in Köln, in: Florilegium in honorem Carl Nordenfalk Octogenarii contextum, Stockholm 1987, S. 159 ff.
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Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Dom Hs. 1
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Pergament, 388 Blätter, 500 x 350 mm. Schriftspiegel im Evangelienteil 365 x 315 mm, zweispaltig zu 51 Zeilen, Abstände der Lineatur von links nach rechts 15, 5, 122, 7, 17, 7, 122, 5, 15; sonst 365 x 290 mm, Abstände der Lineatur von links nach rechts 7, 125, 5, 17, 7, 122, 7. Lagen mit Signaturen wohl des 15. Jahrhunderts (a-z; z-aii, bii-zii, zii-aiii, ziii-a4, endet o5), Quaternionen. Vorreden teilweise in größerer, Evangelientext und Kapitelverzeichnisse in kleiner karolingischer Minuskel mit dunkelbrauner bis schwarzer Tinte. Anfangsbuchstaben nach Interpunktionen im Text unzial mit Tinte, Initialen zu den Anfängen der Eusebianischen Sinnabschnitte kapital in Minium, ebenso, doch etwas größer, die Initialen zu den Anfängen der Capitula. Anfangszeilen der Capitula in Uncialis. Die marginalen Kapitelzahlen und Zahlen der Eusebianischen Canones in Minium, die Konkordanzen in Tinte. Auszeichnungsschriften in roter und schwarzer Capitalis quadrata, Uncialis oder Capitalis rustica sowie in goldener, silberner und violetter Capitalis monumentalis auf Purpurstreifen. Zu den Anfängen der Prologe Initialen in Gold und Silber mit Deckfarbenmalerei in Purpur, Grün, Gelb, Orange (Minium), Weiß und Schwarz, die auf die Initiale folgenden ersten Zeilen in Uncialis. In diesen Farben auch die Kanontafeln und Initialen der Evangelienanfänge. Zum Beginn des Matthäusevangeliums Titel- und Initialzierseite, zu den übrigen Evangelienanfängen Titel und Initialen in der linken Spalte mit nachfolgendem unzialem Text.
Einband: Pergament mit massiver Deckelfüllung aus Papiermache, Mitte des 18. Jahrhunderts.
Inhalt: Fol. 1r Besitzvermerke: LIBER S(AN)C(T)I PETRI A PIO PATRE HERIMANNO DATUS. Schenkung Erzbischof Herimanns I. von Köln (890-925).
Fol. lv-297v altes Testament, 298r-382v Neues Testament.
Fol. 298v-300r Vorreden zu den vier Evangelien. 298r leer, 298v Prolog Novum opus, 299r Prolog Sciendum, 299v-300r Prolog Plures fuisse, 300r Prolog Ammomus
quidem.
Fol. 300v-302r Vierseitige Kanonfolge. 300v-301r Can. I:IIII, II:III - IIII:III, V:II, 301v-302r Can. VI:II, VII:II, VIII:II, VIIII:II - X:I, X:I, X:I -
X:I.
Fol. 302v-312r Matthäusevangelium mit Kapitelverzeichnis und Vorrede. 302v-303r Kapitelverzeichnis (I-LXXXI), 303r Matthäus-Argument Matthäus ex luciaea, 303v Titelseite INCIPIT EVANGELIVM SECVNDVM MATTHEVM, 304r Initialzierseite LIBER GENERATIONIS IH(ES)V XP(IST)I FILII D(AVI)D FILII ABRAHA(M), 312r Schluß des Matthäusevangeliums.
Fol. 312r-317v Markusevangelium mit Vorrede und Kapitelverzeichnis. 312r Markus-Argument Marcus evangelista, 312v Kapitelverzeichnis (I-XLVI), 313r Initialzierspalte mit Incipit und Initiale I(NITIVM), 317v Schluß des Markusevangeliums.
Fol. 317v-326v Lukasevangelium mit Vorrede und Kapitelverzeichnis. 317v Lukas-Argument Lucas Syrus, 318r Kapitelverzeichnis (I-LXXIII), 318v Initialzierspalte mit Incipit und Initiale Q(VONIAM), 326v Schluß des Markusevangeliums.
Fol. 327r-333v Johannesevangelium mit Vorrede und Kapitelverzeichnis. 327r Johannes-Argument Hic est Johannes, 327r Kapitelverzeichis (I-XXXV), 327v Initialzierspalte mit Incipit und Initiale I(N PRINCIPIO), 333v Schluß des Johannesevangeliums.
Fol. 334r-382v Apostelgeschichte, Briefe und Apokalypse. 334r-344v Apostelgeschichte, 344v-349v die katholischen Briefe, 350r-377v Paulusbriefe, 378r-382v Apokalypse.
Entstehungsgeschichte: Die von Erzbischof Hermann I. (890-925) dem Kölner Dom geschenkte Handschrift gehört zu den berühmten, im Benediktinerkloster St. Martin zu Tours (Frankreich, Loire) entstandenen einbändigen Riesenbibeln, deren Redaktion und Organisation Abt Alkuin (796-804) zu verdanken sind. Er unternahm diese Arbeit im Auftrag Karls des Großen und überreichte ihm das erste Exemplar im Jahre 800. Diese Bibelausgabe wurde in Tours unter den Nachfolgern Alkuins, Fridugisus (807-834) und Adalhard (834-843) weiter produziert, sie erreichte in künstlerischer Hinsicht unter Abt Vivian (843-851) mit dem König Karl dem Kahlen 846 überreichten Exemplar, nämlich der Bibel Lat. 1 der Bibliotheque Nationale zu Paris, ihren Höhepunkt. Cod. 1 des Kölner Domes wird zwischen 857-862 datiert, damals leitete der Aachener Erzkaplan Hilduin das Kloster. Der Aufwand zur Herstellung einer solchen Bibel war beträchtlich. Für ein Doppelblatt brauchte man ein Tier, das bedeutet für eine Bibel mit 388 Blättern (= 194 Doppelblättem) 194 Schafe oder Ziegen. Nach der Analyse von Albert Bruckner waren an der touronischen Bibel von Moutier-Grandval, Add. Ms. 10546 der British Library, London, ohne Rubrikatoren und Titelschreiber, 24 Schreiber beteiligt.
Die Evangelien nehmen im Bibelpandekten Alkuins mit den Vorreden und Kanontafeln, jedoch ohne Capitulare Evangeliorum, einen würdigen, durch Initialschmuck besonders ausgezeichneten Platz ein. Die Reihenfolge der Vorreden ist zwar anders als im Evangeliar G 531, anders sind auch die Kapitelverzeichnisse, doch wird der Anfang des Evangelienteils durch die große Initiale N(ovum opus) gebührend eingeleitet. Die sog. kleinere lateinische, zwölfseitige Kanonfolge wird in Cod. 1 auf vier Seiten verteilt, das sonst bis zu 200 und mehr Blätter beanspruchende Evangeliar, schrumpft so im Typus der Riesenbibel auf 36 Blätter zusammen. Dadurch rücken sich die in Schrift- und Initialkunst anders als in den Evangeliaren komponierten Initialzierseiten der vier Evangelien viel näher. Kanontafeln und Initialzierseiten der Handschrift zeugen von der hohen buchkünstlerischen Kultur und Tradition der Schule von Tours, die seit den Tagen Alkuins über ein ganzes Jahrhundert Bücher schuf, die im Stellenwert des karolingischen Kulturerbes an der Spitze stehen.
Literatur: J. Jaffé, W. Wattenbach, Ecclesiae Metropolitanae Coloniensis Codices Manuscripti, Berlin 1874, No. l. - W. Koehler, Die karolingischen Miniaturen I, l, Berlin 1930, Nr. 47. - E. K. Rand, A Survey ofthe Manuscripts of Tours. Studies in the Script of Tours I, Cambridge Mass. 1929, No. 137. - Derselbe, the Earliest Book of Tours with Supplementary Descriptions of other Manuscripts of Tours, Studies in the Script of Tours II, Cambridge Mass. 1934, p.118 ss. - B. Fischer, Die Alkuin-Bibeln, in: J. Duft, B. Fischer, A. Bruckner, E. J. Beer, A. A. Schmidt, E. Irblich, Die Bibeln von Moutier-Grandval. British Museum Add. Ms. 10546, Bern 1971, S. 64, 66, passim.
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Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Dom Hs. 14
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Pergament, 215 Blätter, 307 x 215 mm. Schriftspiegel 185 x 170 mm, einspaltig zu 25 Zeilen, Abstände der Lineatur von links nach rechts 20, 9, 113, 9, 20 mm. Lagen ohne Signaturen: 1-26, 36-1, 4-178, 18-196, 208, 216, 224, 23-293, 306. Evangelientext in großer, Vorreden, Kapitelverzeichnisse und Capitulare Evangeliorum in kleiner karolingischer Minuskel. Anfangsbuchstaben nach Interpunktionen im Text unzial mit Tinte, Initialen zu den Anfängen der Eusebianischen Sinnabschnitte kapital in Gold geschrieben. Marginale Kapitelzahlen und Zahlen der Eusebianischen Canones in Minium, die Konkordanzen in Tinte. Auszeichnungsschriften in goldener und miniumfarbiger Capitalis monumentalis, Capitalis rustica und Uncialis. Bild- und Titelseiten sowie Initial- und Schriftzierseiten Seite 48 in Gold und Silber sowie leichter Deckfarbenmalerei mit Purpur, Blau, Grün, Gelb, Orange (Minium), Weiß und Schwarz.
Einband: Pergament mit massiver Deckelfüllung aus Papiermache, Mitte des 18. Jahrhunderts.
Inhalt: Fol. lv-5v Vorreden zu den vier Evangelien. Ar/v-lr leer, 1v Bild des hl. Hieronymus mit der Inschrift S(AN)C(TV)S HIERONIMVS, 2v Initialzierseite zum Prolog NOuum opus me, 2v-3v Prolog-Text, 3v-4v Plures Fuisse, 4v-5r Ammonius quidem, 5v Sciendum.
Fol. 5v-8r Matthäus-Argument und Kapitelverzeichnis zum Matthäusevangelium. 5v-6r Mattheus ex Iudaea, 6r-8r Kapitelverzeichnis (I-XXVIII), 8v-9r leer. Fol. 9v-15r Zwölfseitige Kanonfolge. 9v-10r Can. I:IIII - I:IIII, 10v-11r Can. II:III-II:III, 11v-12r Can. II:III - III:III, 12v-13r Can. IIII:III - V:II, 13v-14r Can. VI:II, VII:II, VIII:II-VIIII: II, X:I, 14v-15r Can. X:I, X:I, X:I, X:I -
X:I.
Fol. 15v-65v Matthäusevangelium. 15v Bildseite mit Maria und Johannes dem Evangelisten sowie den Inschriften S(AN)C(T)A MARIA, S(AN)C(TV)S ioh(annes). Die gegenüberliegende Seite mit Christus am Kreuz sowie die darauffolgende Bildseite mit dem Evangelisten Matthäus fehlen. 16r Titelseite INC(I)P(I)T EV(AN)G(E)L(IVM) S(E)C(VN)D(VM) MATTH(EVM), 16v-17r Initialzierseiten LIBER - GENERATIONIS, 17v-18r Schriftzierseiten mit dem Matthäusevangelium in goldener Uncialis, 65r Schluß des Matthäusevangeliums, 65v leer.
Fol. 66r-100r Markusevangelium mit Vorrede und Kapitelverzeichnis. 66r-66v Markus-Argument Marcus evangelista, 66v-67r Kapitelverzeichnis (I-XIII), im Incipit und Explicit irrtümlich als Argumentum bezeichnet. 67v Bild des Evangelisten Marcus mit Titulus: MARCVS VT ALTA FREMIT VOX PER DESERTA LEONIS = Wie oben Markus, brüllt die Stimme des Löwen in der Wüste. 68r Titelseite INC(I)P(I)T EV(AN)G(E)L(IVM) S(E)C(VN)D(V)M MARCV(M). 68v-69r Initialzierseiten I-NITIVM, 99v Schluß des Markusevangeliums, 100r leer.
Fol. 100v-158r Lukasevangelium mit Vorrede und Kapitelverzeichnis. 100v-101r Lukas-Argument Lucas Syrus, 101r-104r Kapitelverzeichnis (I-XXI), 104v Bild des Evangelisten Lukas mit Titulus: IVRA SACERDOTII LVCAS TENET ORA IVVENCI = Lukas hält die Rechte der Priesterschaft und hat (deswegen) das Gesicht eines jungen Stieres, 105r Titelseite INC(I)P(I)T EV(AN)G(E)L(IVM) S(E)C(VN)D(V)M LVCA(M), 105v-106r Initialzierseiten Q-VONIAM, 158r Schluß des Lukastextes.
Fol. 158v-201v Johannesevangelium mit Vorrede und Kapitelverzeichnis, 158v-159r Johannes-Argument Hic est Iohannes, 159r-160r Kapitelverzeichnis (I-XIIII) mit der Überschrift: Incipit breuiarius, 160v Bild des Evangelisten Johannes mit Titulus: MORE VOLANS AQVILAE VERBO PETIT ASTRA IOHANNES = Wie der Adler fliegend strebt Johannes durch das Wort zu den Sternen. 161r Titelseite INC(I)P(I)T EV(AN)G(E)L(IVM) S(E)C(VN)D(V)M iohan(nem), 161v-162r Initialzierseiten IN-PRINCIPIO, 200r Schluß des Johannesevangeliums, 200v-201v leer.
Fol. 202r-215r Capitulare Evangeliorum, 213r Item lectiones euangeliorum de diuersis causis, 215v leer.
Entstehungsgeschichte: Nach Einrichtung, Schrift und Kompositionsprinzipien erscheint die Handschrift dem Evangeliar G 531 (Nr. l) nächstverwandt, doch ist auch über ihre Herkunft bisher nichts bekannt geworden. Die Evangelistenbilder sowie das doppelseitige, heute nur noch fol. 15v mit den Gestalten von Maria und Johannes erhaltene Kreuzigungsbild geben einen tieferen Einblick in die Überlieferungsgeschichte der Bilder im Bereich der franko-sächsischen Schule. Im Gegensatz zu G 531 sind die Evangelistensymbole hier ganzfigurig und ungeflügelt, stimmen jedoch nicht mit der auf Tatian (um 120 bis nach 170) zurückgehenden insularen Symbolreihe überein, sondern spiegeln Seite 49 wahrscheinlich eine andere sehr alte italische Tradition, die in die Zeit des spätrömischen Dichters Sedulius (5. Jh.) zurückführen könnte, aus dessen Carmen paschale (1.355-538. - MGH Poet III, 263. - D. Schaller, E. Könsgen, Initia carminum Latinorum saeculo undecimo antiquiorum. Göttingen 1977, Nr. 7013, 9293, 8555, 9781) die Verse zitiert sind, die die Symbole umkreisen. Die Evangelistengestalten scheinen dagegen vor allem im Stil insulare Vorbilder zu spiegeln. Eine ikonographische Besonderheit der Handschrift ist der Kapitellschmuck der Arkaden der Evangelistenbilder sowie der gegenüberliegenden Incipit-Seiten. Man kann ihn als Wiederholung der Evangelistensymbole interpretieren, doch glauben wir, daß solche Kapitelle einer sehr alten italischen Vorlagenschicht der Handschrift entstammen, in der sie noch nicht die Bedeutung der Evangelistensymbole hatten. Analogien konnten wir im Umkreis der Liber Viventium Fabariensis, Cod. Fab. l im Stiftsarchiv von St. Gallen, aufdecken. Ähnlich wie in G 531 kennt auch diese Handschrift den rhythmischen Wechsel im Bereich der Rahmung von Bild- und Zierseiten. Doppelseiten mit Arkaden und hochrechteckig gerahmte Doppelseiten wechseln sich ab. Doch wirkt die Initialornamentik im Vergleich zu G 531 trotz dieser anspruchsvollen Aufteilung gegenüber dem sie umgebenden Raum etwas unterlegen. Vielleicht ist die Handschrift deshalb als ein nach dem Normanneneinfall (881 und 883) entstandenes, mit dem Wiederaufbau des Klosters des hl. Amandus verbundenes Werk der Schule von Saint-Amand zu betrachten.
Literatur: Ph. Jaffé, W. Wattenbach, Ecclesiae Metropolitanae Coloniensis Codices Manuscripti, Berlin 1874, No. 14. - St. Beissel, Geschichte der Evangelienbücher in der ersten Hälfte des Mittelalters, Freiburg i. Br. 1906, S. 156 f., 334. - A. Goldschmidt, Die deutsche Buchmalerei I, Firenze-München 1928, S. 48, Taf. 49. - A. Boeckler, Abendländische Miniaturen bis zum Anfang der romanischen Zeit, Berlin-Leipzig 1930, S. 51. - C. Nordenfalk, Ein karolingisches Sakramentar aus Echternach und seine Vorläufer, in: Acta Archaeologica 2, 1931, S. 235 f. - A. Boutemy, Quel fut le foyer du style franco-saxon? in: Annales du Congres archeologique et historique de Tournai, Tournai 1949, p. 12. - P. Bloch, H. Schnitzler, Die Kölner ottonische Malerschule II, Düsseldorf 1970, S. 14, 145 f. - W. Koehler, Buchmalerei des frühen Mittelalters. Fragmente und Entwürfe aus dem Nachlaß, hrsg. v. E. Kitzinger und F. Mütherich, München 1972, S. 172 f., 175. 179. - W. Schulten, Der Kölner Domschatz, Köln 1980, Nr. 2, Abb. 25-29. - Kat. Ornamenta Ecclesiae 1. Köln 1985, Nr. C 10. - A. von Euw, Liber Viventium Fabariensis. Das karolingische Memorialbuch von Pfäfers in seiner liturgie- und kunstgeschichtlichen Bedeutung, Bern - Stuttgart 1989, S. 162. 180 ff., 210, Abb. 134-136.