Paul Clemen: Der Dom zu Köln. Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 6, Abteilung III: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, Band 1, Abteilung III: Der Dom. Düsseldorf 1937, S. 377-385

Seite 377

BILDERHANDSCHRIFTEN DER DOMBIBLIOTHEK IN DER SCHATZKAMMER.

Allgemeine Literatur zur Dombibliothek.

J. Hartzheim, Catalogus historicus criticus codicum mss. bibliothecae ecclesiae metropolitanae Coloniensis. Köln 1752. — H. Hüffer, Forschungen auf dem Gebiete des französ. u. rhein. Kirchenrechts. Münster 1863, S. 247. — J. B. Haass, Die Kölner Dombibliothek: K. Dombl. 1866, Nr. 259 u. 260. — Frenken, Das Schicksal der im J. 1794 über den Rhein geflüchteten Werthgegenstände des Cölner Domes, insbesondere die Zurückführung der Manuscripten-Bibliothek. Cöln u. Neuß 1868. — Ennen, D. K., 1872, S. 193. — Ph. Jaffé u. W. Wattenbach, Ecclesiae metropolitanae Coloniensis Codices manuscripti: Berlin 1874. — A. Decker, Die Hildeboldsche Manuskriptensammlung des Kölner Domes: Festschrift der 43. Versammlung deutscher Philologen u. Schulmänner.... Bonn 1895, S. 215-251. — Gottlieb, Mittelalterl. Bibliotheken, S. 26. — P. Lehmann, Erzbischof Hildebald und die Dombibliothek von Köln: Zentralbl. f. Bibliothekswesen XXV, 1908, S. 153. — Kl. Löffler, Kölnische Bibliotheksgeschichte im Umriß. Mit einer Nachweisung kölnischer Handschriften u. einem Beitrag von G. Frenken über den Katalog d. Dombibliothek von 833. Köln 1923; auch erschienen in: Zs. d. Deutschen Ver. f. Buchwesen u. Schrifttum IV, 1921, S. 32; V, 1922, S. 105. — Leslie Webber Jones, The Script of Cologne from Hildebold to Hermann (== The Medieval Academy of America, Publication X). Cambridge, Mass. 1932. — P. Heusgen, Der Gesamtkatalog der Handschriften der Kölner Dombibliothek: Jb. d. Köln. Geschichtsver. XV, 1933, S. 1-78 (mit Register zu Jaffé u. Wattenbach). — Ders., Die Kölner Dombibliothek: Christi Reich auf Erden. München 1933, S.383. — Handbuch d. Erzbistums Köln, 23. Ausg., 1933, S. 61.

Die Bibliothek wurde ursprünglich in dem an der Nordseite des Chores stehenden, von der römischen Stadtbefestigung übriggebliebenen Turm aufbewahrt (Lacomblet, Urkb. f. d. Gesch. d. Ndrhn, II, S. 283. — Keussen, Top. II, S. 310). Im 15. Jh. wird der Kodex 182 gebunden, um zur "neuen Bibliothek" gelegt zu werden und "dort dauernd angekettet zu bleiben" (Jaffé-Wattenbach, p. 75). Damals war offenbar Seite 378 die Bibliothek an der Stelle eingerichtet worden, an der sie bis zur Flucht des Kapitels im J. 1794 lag, in einem gewölbten Einbau gegenüber dem von unten an gezählten achten Pfeiler des Nordschiffes (vgl. Frenken, a. a. O., S. 52. — Löffler, Köln. Bibliotheksgesch., S.4).

Im J. 1751 ließ das Kapitel durch den gelehrten Jesuiten Hartzheim einen Katalog der mittelalterlichen Kodizes herstellen und drucken (s. o. unter Literatur). Unglücklicherweise ließ Hartzheim fast alle Handschriften neu in Schweinsleder binden, so daß nur ganz wenige alte Einbände erhalten sind. Im J. 1794 nahm das Kapitel die von Hartzheim inventarisierten Kodizes auf seiner Flucht mit. Nach der Säkularisation eignete sich Hessen-Darmstadt diese Handschriften an, und sein Großherzog ließ sie in die Bibliothek nach Darmstadt bringen, von wo sie durch den zwischen Preußen und Hessen geschlossenen Friedensvertrag im J. 1867 als Eigentum des Metropolitankapitels in den Dom zurückkehrten. Dort wurden mit dieser Sammlung weitere dem Kapitel gehörige Handschriften vereinigt; sie fanden ihre Aufstellung im ersten Obergeschoß des Nordturmes, von wo sie 1926 in das Bischöfliche Generalvikariat übergeführt wurden bis auf die hier behandelten, in der Schatzkammer des Domes ausgestellten Kodizes. Die Beschreibung der übrigen Handschriften bleibt dem Band der "Kunstdenkmäler der Rheinprovinz", der die in der Stadt Köln vorhandenen Sammlungen behandelt, vorbehalten. In der Schatzkammer befinden sich 17 Handschriften, eine illuminierte Urkunde und eine Inkunabel. Die in Klammern beigefügte Zahl gibt die Signatur der betreffenden Handschrift an.


1. (Nr. 212.) Collectio canonum, 6./7.Jh. 171 Bll. 33,9 x 27 cm groß.

Fr. Maassen, Geschichte der Quellen und der Literatur des canonischen Rechts I, S. 574-585, 958-960. — Jaffé-Wattenbach, Nr. 212, p. 93. — Zangemeister u. Wattenbach, Exempla cod. lat. litt. maj. script., Taf. 37, 38, 44; S. 9 f. — Mon. Germ. Auct. IX, P. 562. — Duchesne, Liber pontif. I, p. XV, 24. — R. Bretholz, Latein. Palaeogr., S. 59. — Ihm, Palaeogr. lat., Taf. IV. — C. H. Turner, in: A.E. Burn, Facsimiles of the Creeds (== Henry Bradshaw Society, Bd. 36). London 1909, 39-41, Taf. I-III; Burn, ebenda, S. 2 f. — A. Chroust, Monumenta palaeographica. Denkmäler der Schreibkunst des Ma. 1. Abt., II. Serie, Lief. VI, 1911, Taf. 8. — Hans Förster, Die Abkürzungen in den Kölner Handschriften der Karolingerzeit, Diss. Bonn 1916, S. 3. — E. H. Zimmermann, Vorkarolingische Miniaturen. Berlin 1916, S. 8, 46, 165 f., Taf. 41-43. — Haseloff, in: Rep. f. Kunstwiss., 1920, S. 191.

Zum Beginn Inhaltsverzeichnis mit zweiteiligem architektonischem Rahmen, wie Canonestafeln. Einzelne Initialen (abgebildet bei Zimmermann, a.a.O. Überschriften in großen verzierten Kapitalen. Bl. 168b und 169a. bringt in zweiteiligen gezeichneten Initialen ein Verzeichnis der Päpste von Petrus bis Gregorius, ursprünglich bis Agapitus (535-536) reichend, dann von anderer Hand fortgesetzt (abgedruckt bei Jaffé-Wattenbach, p.165). Auf Bl. 167b der Eintrag: Sigibertus bindit libellum. Nach Zimmermann "Südfrankreich (wohl Gegend von Lyon), Mitte des 7. Jh."


2. (Nr. 13.) Evangeliar, 9. Jh. 195 Bll. 36x26 cm groß, bis Bl. 54 nach einem Eintrag geschrieben von Hiltfredus ("A capite usque hic scripsit et requisivit servus vester Hiltfredus").

Jaffé-Wattenbach, Nr. 13, p. 6. — K. Lamprecht, Kunstgeschichtl. wichtige Handschriften des Mittel- u. Niederrheins: B. J. 74, 1882, S. 131. — Janitschek, Gesch. d. deutschen Malerei, S. 26. — Aldenhoven, Gesch. d. Kölner Malerschule, S. 361. — F. X. Kraus, Gesch. d. christl. Kunst II, z, S. 28. — St. Beissel, Gesch. d. Evangelienbücher, S. 155. — Fäh, Geschichte der bildenden Künste2, 1903, S. 262. — H. Ehl, Die ottonische Kölner Buchmalerei, 1922, S. 17. — C. Linfert, in: Führer durch die kath. Sonderschau der Pressa, Köln 1928, S. 15.

Bl. 1b. Evangelistenbild: Matthaeus sitzend auf Thron, darüber Evangelistensymbol. Schwere Federzeichnung, in stumpfen Farben übermalt (Fig. 305). Bl. 55b: Evangelistenbild Seite 379 Marcus. Bl. 91a: Evangelistenbild Lucas. Bl. 152 a: Evangelistenbild Johannes (Fig. 306). Die beiden letzteren ersichtlich von anderer Hand, stärker malerisch behandelt.


3. (Nr. 141.) Liberpontificalis, 10. Jh. 188 Bll. 24,9x17,5cm groß

Jaffé-Wattenbach, Nr. 141, p. 59. — V. C. Waitz, Die Formeln der deutschen Königs- u. d. röm. Kaiserkrönung, 1873, S. 45, 62. — K. Lamprecht, in: B. J. 74, 1882, S. 134. — Katalog d. kunsthistor. Ausst. in Düsseldorf 1904, Nr.513. — A. Haseloff, in: A. Michel, Histoire de l'art I. 2. Paris 1905, S. 748. — Eichmann, in: Histor. Jahrb. 46, 1926, S. 525.— Ders., in: Grabmann Festschrift. 1935, S. 223.

Im Anfang zu dem Ordo ad pueros consignandos großes Zierblatt, eingefaßt von Rahmen mit Bandschmuckornament und Eckstücken von zwei verschlungenen Vierpässen. In der Mitte in Mandorla (zugleich als Initial O zu Omnipotens) thronende Madonna, in der linken Hand Pumum mit Kreuz haltend, auf dem rechten Knie der ganz bekleidete kleine Christus mit Kreuz (Fig. 309). Bl. 77b. Zierblatt: Oben Verkündigung, unten Initial O (zu Omnipotens pater) mit Zierranken. Im Text reiche Initialen, zum Teil mit figürlichem Schmuck, Brustbildern und Ornamenten. Nach der strichelnden Technik nordfranzösisch.


4. (Nr. 143.) Lektionar, 10.Jh. 158 Bll. 29x20 cm groß. Auf Bl. 2 Eintrag des 15. Jh., der die Schenkung des Kodex durch Erzbischof Everger (981-999) an den Dom erwähnt.

Jaffé-Wattenbach, Nr. 143, p. 60. — Lamprecht, in: B. J. 74, 1882, S. 134. — Janitschek, Gesch. d. deutschen Malerei, 1890, S. 74. — Aldenhoven, Gesch. d. Kölner Malerschule, S. 3. — Katalog d. Kunsthistor. Ausstellung Düsseldorf 1904, Nr.511. — A. Michel, Histoire de l'art I, 2. Paris 1905, S. 728. — A. Chroust, Monumenta palaeographica. Denkmäler der Schreibkunst des Ma. 1. Abt., II, Serie, Lief: VII, Taf. 10; VIII, Taf. 1. Seite 380 — J. Gürtler, Bildnisse d. Bischöfe-u. Kurfürsten von Köln, 1912, Taf. 1. — P. Clemen, Die roman. Monumentalmalerei in den Rheinlanden, 1916, S. 761. — H. Ehl, Die ottonische Kölner Buchmalerei. Bonn u. Leipzig 1922, S. 48. — E. Renard, Köln2, 1923, S. 35. — H. Ehl, Zwei KölnerHandschriften als Grundlage einer ottonischen Kölner Malerschule: Rep. f. Kunstwiss. XLIV, 1924, S. 1 (ausführlich). — J. Theele, Rhein. Buchkunst im Wandel der Zeit, 1925, S. 14, Abb. 7. — A. Goldschmidt, Die deutsche Buchmalerei II, 1928, S. 67, Taf. 80. — Joachim Prochno, Das Schreiber- und Dedikationsbild in d. deutschen Buchmalerei I, 1929, S. 58. — A. Boeckler, Abendland. Miniaturen bis zum Ausgang d. roman. Zeit, 1930; S. 48.

Bl. 3b, Zierblatt (Fig. 307): In der unteren Hälfte auf Wiesenboden liegend der Erzbischof Evergerus, anbetend, in beiden Händen Manipel haltend; darüber auf Purpur goldene Inschrift:

NEXUS ALME PATER VITIORUM SOLVE POTENTER.
PAULE DEO LECTUS PARITER TU SOLVE REATUS.
CONSEQUAR UT VENIAM CHRISTO DONANTE SUPERNAM.
EVERGERUS ARCHI EPISCOPUS.

Gegenüber auf Bl. 4a: Über blumigem Rasen auf einer Bank sitzend Petrus und Paulus, beide mit Buch. Petrus streckt die Rechte nach dem Stifter aus, Paulus erhebt die rechte Hand. In der Rahmung die Inschrift:

PRESUL EVERGERUS CUIUS SUM NOMINE SCRIPTUS
HOS VOCAT ESSE SUOS, DEVOTA MENTE PATRONOS.

Bl. 5b, Zierblatt: Initial L (zu Lectio epistolae beati Pauli apostoli ad Romanos); Bl. 6a, Zierblatt: Initial F (zu Fratres); Bl. 6b. Zierblatt: Initial P (zu Paulus); Bl. 73b: Initial E (zu Expurgate); Bl. 88a: Initial D (zu Dum complerentur). Im Text noch große goldene Initialen. Seite 381 Kölner Schule, zwischen 985 und 999; verwandt ist das Sakramentar aus St. Gereon in der Nationalbibliothek in Paris (Lat. 817).


5. (Nr. 14.) Evangeliar, 9.Jh. 215: Bll. 30,5x22 cm groß.

Jaffé-Wattenbach, Nr. 14, p, 6. — Lamprecht, in: B. J. 74, 1882, S. 132. — Janitschek, Gesch. d. deutschen Malerei, 1890, S. 98. — St. Beissel, in. Zs. f. chr. Kunst XI, 1898, Sp. 16. — Katalog d. Kunsthistor. Ausstellung Düsseldorf 1904, Nr. 512. — St. Beissel, Gesch. d. Evangelienbücher in d. ersten Hälfte d. Ma., 1906, S. 156 f., 334. — Ders., Entstehung der Perikopen d. röm. Meßbuchs, Freiburg 1.907, S. 160, 164. — A. Boinet, La miniature carolingienne. Paris 1913, Taf. 108 D. — Ehl, Buchmalerei d. frühen Ma. Berlin 1925, S. 32, Titelbild 6. — J. Theele, Rhein. Buchkunst im Wandel der Zeit, 1925, S. 9. — A. Goldschmidt, Die deutsche Buchmalerei I, 1928, S. 48, Taf. 49. — A. Boeckler, Abendland. Miniaturen bis zum Ausgang d. roman. Zeit, 1930, S. 51.

Bl. 1b Zierblatt, mit Flechtwerkornament und Eckstücken mit Rosetten; Hieronymus schreibend an Pult sitzend. Bl. 2 a: Initial NO. Zwölf Kanonestafeln: Rahmen in Architektur mit Flechtwerk, Pflanzengebilden und Tierköpfen. Bl. 15b, Zierblatt: Johannes und Maria hintereinander, nach rechts gewendet. Bl. 16a: Zierblatt zum Beginn des Matthaeusevangeliums. Bl. 16b und 17a. Zierblätter: Initial LI (zu Liber generationis). Bl. 67 b: Evangelistenbild Marcus, rechts Bl. 68 a, Zierblatt: Incipit evangelium. Bl. 104 b/105a: links Evangelistenbild Lucas, rechts Zierblatt: Beginn des Lukasevangeliums. , Bl. 105b/106a Zierblätter: Quoniam. Bl. 160b/161a: Evangelistenbild Johannes, rechts Zierblatt: Incipit evangelium. Bl. 161b/162a, Zierblätter: In principio. Federzeichnungen. Nach Goldschmidt: "Köln?, nach franko-sächsischem Vorbild."


6. (Nr. 12.) Evangeliar, um 1000. 210 Bll. 37 x 27 cm groß. Nach der goldenen Inschrift auf Bl. 2 b im Auftrag des Kölner Domherrn Hillinus geschrieben von den Brüdern Purchardus und Chuonradus (Konrad) für den Petrusaltar der Kölner Domkirche.

Seite 382

Jaffé-Wattenbach, Nr.12, p. 5. — Der Hillinus Codex 12 . . . : Anz. f. Kunde deutscher Vorzeit 1872, Sp. 210. — Lamprecht, in: B. J. 74, 1882, S. 135. Janitschek, Gesch. d. deutschen Malerei, S. 85. — W. Vöge, Eine deutsche Malerschule um die Wende des 1. Jahrtausends (= Westd. Zs., Ergzh.VII), 1891, S. 134. — Aldenhoven, Gesch. d. Kölner Malerschule, S. 5f. — St. Beissel, Das Evangelienbuch des erzbischöfl. Priesterseminars zu Köln: Zs. f. chr. Kunst XI, 1898, S. 1f. — Ders., Gesch. d. Evangelienbücher, S. 229. — Ders., in: Zs. f. ehr. Kunst XIII, 1900, S. 69. — M. Kemmerich, Die frühmittelalterl. Porträtmalerei. München 1907, S. 146. — A. Merton, Die Buchmalerei in St. Gallen vom 9. bis zum 11. Jh. Leipzig 1912, S. 85. — H. Ehl, Die ottonische Kölner Buchmalerei. Bonn u. Leipzig 1922, S. 159 f. — Renard, Köln2, S. 20 f., 35. — A. Boeckler, Die Reichenauer Buchmalerei, in: Die Kultur der Reichenau, S. 956f. — H. Reiners, Tausend Jahre rhein. Kunst, S. 229. — J. Theele, Rhein. Buchkunst im Wandel der Zeit, 1925, S. 14, Abb. 12 (Widmungsbild). — Führer durch d. Jahrtausend-Ausstellung d. Rheinlande, Köln 1925, Taf. 42 (Evangelistenbild). — J. Prochno, Das Schreiber- und Dedikationsbild in der deutschen Buchmalerei I, 1929, S. 37, Taf. 37 (Dedikationsbild). — H. Chorus, Gesetzmäßigkeiten der Farbgebung in d. ottonischen Buchmalerei. Bonn 1933, S. 34 ff. — Zu dem Dedikationsbild vgl. die Lit. oben S.23, I — H. Swarzenski, Vorgotische Miniaturen, 1927, S. 32 u. 94 (Evangelistenbild Matthäus).

Bl. 4 b: Hieronymus in dreiteiliger architektonischer Halle sitzend, schreibend zwischen zwei kleineren Schreibern ihm zu Füßen. Bl. 10b ff.: Zwölf Kanonestafeln in reichen architektonischen Rahmen, teils mit Flachgiebeln, teils mit Flachbogen. Bl. 16b: In architektonischer Halle Hillinus die Handschrift dem hl. Petrus darbringend, der rechts auf einem Thron sitzt. Darüber Ausblick auf ein langgestrecktes kirchliches Gebäude, wohl sicher den "alten" Dom darstellend (Fig. 308, vgl. S. 23, 43, Fig. 20). Bl. 22 b: Evangelistenbild Matthäus. Bl. 23 a: Zierblatt mit Initial L (zu Liber). Bl. 74 a: Zierblatt mit Initial I (zu Initium) am Anfang des Markusevangeliums. Bl. 109: Zierblatt mit Initial Q (zu Quoniam) am Anfang des Lukasevangeliums. Bl. 163 a: Zierblatt mit Initial In (principio) am Anfang des Johannesevangeliums.Initialschmuck. Reichenau, um 1000.

Der Einband Pergament, mit großem plastischem Hirsch, Messing, 14. Jh.


7. (Nr. 88.) Sammelhandschrift: Sermo de eucharistia; Kalendar; Litanei, Gregor, Liber sacramentorum und der Liber secundus des Abtes Grimold aus den Vätern, l0. Jh. 179 Bll. 57,5 x 23 cm groß.

Jaffé-Wattenbach, Nr. 88, p, 33. — Dümmler, Forschungen z. deutschen Geschichte VI, S. 123. — Zilliken, i.d.B.J. 119, S.25.

Bl. 25b / 26a. Zierblätter: Purpurgrund in architektonischen Rahmen, links Initial V, rechts T, Bl. 30 a, kleineres Zierblatt: Initial D, Bl. 63 b: Initial D.


8. (Nr. 218.) Evangeliar, 1. Viertel des 11.Jh. 217 Bll. 20x28 cm groß. Nach einem Eintrag auf Bl. 1 im 12. Jh. im Besitze des Klosters Limburg a. d,. Haardt, durch Testament des 1872 verstorbenen Johannes Wilhelm Knott, Pfarrer zu Heimerzheim, der Dombibliothek übermacht.

Jaffé-Wattenbach, Nr. 218, p. 97. — K. Lamprecht, in: B. J. 74, S. 135. — Janitschek, Gesch. d. deutschen Malerei, 1890, S. 85. — W. Voege, Eine deutsche Malerschule um die Wende des 1. Jahrt. (= Westd. Zs. Ergzh. VII), 1891, S. 145. — St. Beissel, in: Zs. f. chr. Kunst XI, 1898, S. 17; XIII, 1900, S. 68. — H. V. Sauerland u. A. Haseloff, Der Psalter Erzbischof Egberts von Trier. Trier 1901, S.106. — Katalog d. Kunsthistor, Ausstellung Düsseldorf 1904, Nr. 516. — St. Beissel, Geschichte der Evangelienbücher, S. 218, 222, 334, Abb. 59. — Ders., Entstehung der Perikopen d. röm. Meßbuchs. Freiburg 1907, S. 160, 164. — A. Merton, Die Buchmalerei in St. Gallen vom 9. bis zum 11. Jh. Leipzig 1912, S. 85. — Führer durch d. Jahrtausend-Ausstellung d. Rheinlande. Köln 1925, Taf. 43. — J. Theele, Rhein. Buchkunst im Wandel der Zeit, 1925, S. 14, Abb. 15. — H. Reiners, 1000 Jahre rhein. Kunst, 1925, S. 230 - 233. — Witte, Führer, Abb. 3 (Bild des Evangelisten Johannes). — Führer durch die kath. Sonderschau der Pressa, Köln 1928, S. 15 (m. Abb. der Darstellung der Geburt Christi). — A. Goldschmidt, Die deutsche Buchmalerei II 1928, S. 48, Taf. 41 u. 42.

Im Anfang zwölf. Kanontafeln mit architektonischer Einrahmung. Bl. 18 b, Zierblatt zu Beginn des Matthäusevangeliums: Matthäus sitzend, einem anderen die Rolle Seite 383 reichend; hinter diesem zwei Köpfe, oben Christus sitzend zwischen zwei Engeln. Bl. 19a Zierblatt mit Initial L (zu Liber generationis). Bl. 21: Zierblatt mit Darstellung der Geburt und Verkündigung an die Hirten. Bl. 22: Anbetung der Könige. Bl. 24: Taufe Christi. Bl. 31: Heilung des Aussätzigen. Bl. 34: Oben das blutflüssige Weib, unten die Auferweckung der Tochter des Jairus. Bl.35: Heilung der zwei Blinden. Bl. 73: Evangelistenbild, der hl. Markus in sechsseitigem Rahmen mit Löwen sitzend, in den Ecken Vögel. Bl. 74: Zierblatt mit Initial I (zu Incipit). Bl. 103:Die zwei Marien am Grabe. Bl. 104: Himmelfahrt. Bl. 108: Evangelistenbild, der hl. Lukas unter architektonischem Giebel. Bl. 109: Zierblatt mit Initial Q (zu Quoniam). Bl. 163 : Evangelistenbild, der hl. Johannes sitzend in Mandorla unter architektonischem Rahmen. Bl. 164: Zierblatt mit Initial I (zu Incipit). Deckmalerei auf Goldgrund, reiche Initialen. Reichenauschule. (Fig. 310 u. 311.)


9. (Nr. 269; Schatzinventar Nr. 50.) Evangeliar, mit Eidesformeln, darunter der, die der Kaiser bei der Aufnahme in das Kapitel sprach; 11. Jh. 22,5x17,5 cm groß.

Heusgen, Gesamtkatalog der Handschriften der Kölner Dombibliothek: Jb. d. Köln. Geschichtsver. XV, 1933, Nr. 269, S. 25. Über den Einband s. o. S. 361, Nr. 50.


10. (Nr. 59.) Briefe und Werke des hl. Hieronymus, 12.Jh. 171 Bll. 34x25 cm groß. Geschrieben im Auftrage des Kölner Erzbischofs Friedrich (1099-1131).

Jaffé-Wattenbach, Nr. 59.P. 18. — Lamprecht, in: B. J. 74, 1882, S. 137. — Janitschek, Gesch. d. deutschen Malerei, S. 94. — Aldenhoven, Gesch. d. Kölner Malerschule, S. 6. — Ch. Rohault de Fleury. Les saints de la messe, VIII, Paris 1899, Taf. 25. — Katalog d. Kunsthistor. Ausstellung Düsseldorf 1904, S. 181, Nr. 530 m. Abb. — J. Gürtler, Die Bildnisse der Erzbischöfe u. Kurfürsten von Köln, 1912, Taf. I. — P. Clemen, Die roman. Monumentalmalerei in den Rheinlanden, 1916, S. 783 (m. Abb. des Titelbildes). — H. Ehl, Die ottonische Kölner Buchmalerei, 1922, S. 246. — E. Renard, Köln2, 1923, S. 35, Abb. 30. — K. Woermann, Gesch. d. Kunst2, III, S. 310. — J. Theele, Rhein. Buchkunst im Wandel der Zeit, 1925, S. 15. — A. Boeckler, Beiträge z. roman. Seite 384 Kölner Buchmalerei: Mittelalterl. Handschriften...Festgabe ...H. Degering. Leipzig 1926, S. 15. — Ders., Abendländ. Miniaturen bis zum Ausgang d. roman. Zeit, 1930, S. 85. — F. Jansen, Die Helmarshausener Buchmalerei zur Zeit Heinrichs d. Löwen. Hildesheim u. Leipzig 1933, S. 42 u. 86.

Titelbild: Im Mittelfeld oben thronender Christus, darunter Erzbischof Friedrich in bischöflichem Gewand auf Thron, In den Eckmedaillons Halbfiguren der vier Kardinaltugenden. Im Rahmen: 14 Brustbilder der Propheten Moses, David, Isaias, Jeremias, Ezechiel, Daniel, Malachias und der hhl. Johannes Bapt., Petrus, Paulus, Jakobus, Johannes Ev., Matthäus und Judas, jeder mit einem Spruchband, Wichtiges Werk der Kölner Buchmalerei um 1130. Bl. 1b: Zierblatt mit Initial In. (Fig, 312).


11. (Nr.128.) Gratiani Decretum, 12. Jh. 300 Bll. 39,5 x 26 cm groß.

Jaffé-Wattenbach, Nr. 128, p. 53.

Neuer Pergamentband mit den alten, vielleicht noch zeitgenössischen Beschlägen und Knäufen.


12. (Nr. 215.) Breviarium Franconicum,12.Jh. 279 Bll. 29,5 x 21 cm groß. Wahrscheinlich aus einem Benediktinerklöster der Diözese Würzburg stammend, nach dem Eintrag des Namens des Erzbischofis Wilhelm von Köln (1349-1362) spätestens im 14. Jh. in den Besitz der Domkirche gelangt.

Jaffé-Wattenbach, Nr. 215, S. 96. — Lamprecht, in: B. J. 74, 1882, S. 136. — W. Gerstenberg, Eine Neumenhandschrift in der Dombibliothek zu Köln (Cod. 215): Theodor Kroyer Festschrift, 1933, S. 8.

Bl. 82 b/83 a: Abendmahl. Bl. 88 b: Oben Engel am Grabe, unten die drei Marien und der auferstandene Christus. Farbige Federzeichnungen. Sonst nur Initialen in einfacher Federzeichnung. Wichtig durch die Notenbezeichnungen.


Seite 385

13. (Nr. 2.) Hieronymi bibliotheca divina, 13.Jh. 339 Bll. 35 x 24,5 cm groß. Nach einem Eintrag des 15. Jh. auf Bl. 1 von dem Kölner Bürger Johannes Gurdelmecher gekauft durch den Domherrn Mauricius Graf von "Speigelbergh".

Jaffé-Wattenbach, Nr. 2, p.i. r. — Katalog d. kunsthistor, Ausstellung Düsseldorf 1904, Nr. 543.

Zwei Kolumnen mit reichem Initialschmuck, zum Teil mit kleinen Bildchen, auf Goldgrund. Im Prolog Streifen mit Darstellung der sechs Schöpfungstage. Feine Malereien kölnischen Stils vom Ende des 13. Jh.


14. (Nr. 149.) Missale, 14. Jh. 74 Bll. 40x28 cm groß. Nach dem Eintrag auf Bl. 1 der Domkirche geschenkt von Domdechant Conrad von Rennenberg, gest. 1357.

Jaffé-Wattenbach, Nr. 149 p. 61.— Lamprecht, in,: B. J. 74, 1882, S. 141 — Aldenhoven, Gesch. d. Kölner Malerschule, 1902, S. 36, Taf. 4. — Katalog d. Kunsthistor. Ausstellung Düsseldorf 1904, Nr. 551. — G. Graf Vitythum, Die rhein. Malerei zu Anfang d. 14. Jh. Leipzig 1907, S. 22. — Katalog der Jahrtausend-Ausstellung d. Rheinl. Köln 1925, S. 186. — P. Clemen, Die got. Monumentalmalereien der Rheinlande, 1930, S.57, 208, Fig. 82. — A. Stange, Deutsche Malerei der Gotik I, 1934, S. 32, Abb. 21.

Zweispaltig mit reichem Initialenschmuck; sehr feine Füllung in farbiger Federzeichnung. Bl.51b: Ganzseitiges Bild der Kreuzigung unter dreiteiligem Baldachin in goldenem Rahmen; Eckmedallions mit den Symbolen der Evangelisten. Unter dem Kreuz Maria und Johannes. Bl. 52 a: Zierblatt: In der Mitte Initial T (zu Te igitur) mit Darstellung der Wandlung; reicher Ornament- und Drolerienschmuck (Fig. 313).


15. (Nr. 414.) Große Pergamenturkunde, 52 x 69 cm groß, mit 12 Siegeln in rotem Wachs: Franziskus, Bischof von Bosporus, und andere Bischöfe verleihen denjenigen, die an bestimmten Tagen die Pfarrkirche St. Laurenz in Köln besuchen, einen Ablaß. Avignon 1323.

Heusgen, a. a. O., Nr. 414, S. 46. — W. Kisky, Bemalte rheinische Urkunden: Zs. d. Rhein. Ver. f. Denkmalpflege u. Heimatschütz 29, 1936, S. 146 Anfang in Zierschrift. Großes Initial U mit Darstellung des Martyriums des hl. Laurentius: links sitzend in Haltung des Richters Kaiser Decimus, vorn der hl. Laurentius.


16. (Nr. 271.) Quellen und Literaturexzerpte, betreffend die hl. Machabäer, und Urkunden, betreffend das Benediktinerinnenkloster zu den hl. Machabäern in Köln, 1525. 27,7 x 20 cm groß. Aus dem Machabäerkloster über die Bibliothek des Erzbischofs Ferdinand August in den Dom gelangt.

Heusgen, Der Gesamtkatalog der Handschriften der Kölner Dombibliothek Jahrb. d. Köln. Geschichtsver. XV, 1933, S. 26. — Kd. Köln, Die ehemaligen Kirchen, S. 253.

Bl. 3 a, Titelbild: Die sieben machabäischen Brüder mit ihrer Mutter vor dem römischen Kaiser. Bl. 7 b: Die Mutter, unter ihrem Schutzmantel die sieben Söhne. Bl. 39 a: Die Mutter mit den Söhnen im Ölkessel; mit dem Wappen des Elias Marcaeus, Rektors des Machabäerklosters, das sich auch auf Bl. 119 wiederfindet.


17. (Nr. 274.) Graduale.16.Jh. 5l x 36 cm groß. P. Heusgen, a. a. O., Nr. 274.

Schwerer Pergamentband mit Bronzeeckstücken und Mittelstück. Die Seiten eingefaßt durch Zierleisten mit Blumen; Putten, spielenden Tieren. Zierblätter: Initial mit kniendem König David, mit Geburt Christi, Anbetung der Könige, Pfingstfest, Verkündigung. Köln, Werkstätte des Klosters Weidenbach (Brüder vom gemeinsamen Leben); vgl. über die Werkstätte Kd. Köln, Ehemalige Kirchen, S. 157.


18. Durandus, Rationale divinorum codex officiorum. Druck des Johannes Fust, Mainz 1459, auf Pergament, mit gemalten Initialen (Hain 6471. — Pellechet 4491).