Codices Electronici Ecclesiae Coloniensis (CEEC)

Für Erstbesucher und interessierte "Laien"


Der Projekttitel

Natürlich, ein historisches Forschungsprojekt braucht einen lateinischen Namen. Frei ins Deutsche übersetzt bedeutet der Titel "Die elektronischen Kodizes der Kölner Kirche". Dieser Titel provoziert eine Reihe von Fragen: Was ist eigentlich ein Kodex? Und was dagegen "elektronische Kodices"? Und was ist mit "Kölner Kirche" gemeint?

Als Kodex bezeichnen die Historiker ein Buch, welches aus zusammengenähten Lagen Blättern besteht. Ein Kodex besteht in Fall der DDB in der Regel aus Pergament. (Pergament wiederum wird aus Tierhaut hergestellt. Fell und Fleisch wurden abgeschabt.) Die Bezeichnung Kodex dient zur Unterscheidung der Form von z.B. einer Rolle. Kodizes, in einer weiteren Unterscheidung, sind mit der Hand geschrieben, im Gegensatz zum gedruckten Buch.1

Ein "elektronischer Kodex" ist nun die digitalisierte Form, ein Abbild des "realen" Kodex. Die Kodizes der DDB werden im Rahmen des Projektes digitalisiert und in verschiedenen Auflösungen im Internet zur Verfügung gestellt. Zwischen den digitalisierten Seiten kann man blättern wie in einem "realen" Buch und so handelt es sich also um "Codices Electronici", um "elektronische Kodizes". Ein Feature des Projektes soll es z.B. sein, dass der Benutzer den Originalzustand einer Handschrift auf Mausklick rekonstruieren können soll. Wenn eine Handschrift irgendwann einmal auseinandergenommen und falsch wieder zusammengesetzt worden ist, dann soll der Benutzer dies rückgängig machen können.

Mit den Codizes der Kölner Kirche sind hier die Bestände einer speziellen Bibliothek gemeint, die Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek (DDB). Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei eigentlich um zwei Bibliotheken, um die Diözesanbibliothek und die Dombibliothek. Die Dombibliothek ist die ältere der beiden Bibliotheken. Diese Institution existiert mindestens seit dem Ende des 8. Jahrhunderts, seitdem Karl der Große Köln zu einem Erzbistum gemacht hatte. Der erste Kölner Erzbischof Hildebald ist besonders wichtig für diese Institution, da er einige der heutigen Bücher der Bibliothek in Auftrag gegeben hat. Die große Besonderheit dieser Sammlung besteht darin, dass wir heute einen großen Teil der Bücher besitzen, welche die Bibliothek schon im Mittelalter, ja sogar schon im 9.Jahrhundert besessen hat. Andere Bibliotheken sind häufig zerstört oder auseinandergerissen worden, verloren gegangen durch die Jahrhunderte. Hier in Köln haben wir allerdings ein einmaliges Zeugnis für die Bildungsgeschichte früherer Zeiten. Das älteste Buch der Dombibliothek stammt aus dem Jahre 590/604. (Zur weiteren Bibliotheksgeschichte vgl. die Abteilung Historische Bibliothek.) Um eine Sammlung von Bibliotheken bzw. um eine jüngere Bibliothek handelt es sich bei der Diözesanbibliothek. Aus der gesamten Diözese Köln gibt es Bücher in der Sammlung, z.B. Bücher, welche in St. Gereon geschrieben wurden oder in St. Ursula etc.


Die Zugriffsinstrumente

Ein Hauptbestandteil der Arbeit in dem Projekt besteht, neben der reinen Digitalisierung, im Zusammentragen aller verfügbaren Informationen über die Handschriften. Über jede Handschrift gibt es zahlreiche Informationen und die Bibliothek oder Teile von ihr sind mehrfach katalogisiert worden. Im Rahmen des Projektes wird daraus ein "Meta-Katalog" generiert.(2)

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten des Zugriffes: die Suche und das Stöbern (Browsen). Die Möglichkeit, die Bestände dieser digitalen Bibliothek zu "durchstöbern", verbirgt sich hinter dem Reiter Handschriften. Wenn Sie diesen anklicken, werden Sie dort Links zu Listen vorfinden, die jeweils eine Sortierung der Handschriften anbietet, geordnet nach Signaturen, nach Alter, nach Herkunftsorten etc. In diesen Listen sehen Sie neben der Beschreibung der Handschrift einige der folgenden Symbole:

Katalogdaten Kurzanzeige

Über diesen Button erreichen Sie einen Kurzkatalog, der lediglich die Signatur, Herkunft und die wichtigsten Erkennungsmerkmale(3) einer Handschrift sowie eine kurze Literaturliste aufführt.

Katalogdaten Normalanzeige

Das erweiterte Kurzkatalogisat gibt dann auch Informationen über den Inhalt der Handschrift. Die inhaltliche Beschreibung ist dem Katalog mit der höchsten Autorität(4) entnommen;

Katalogdaten ausführliche Anzeige

und das Langkatalogisat führt alle Informationen auf, die zu der entsprechenden Handschrift in den verarbeiteten Katalogen vorhanden ist.

Abbildungen der Handschrift (erste Seite)

Dieser Button führt Sie zur ersten Handschriftenseite. Als erstes wird das Bild in der kleinsten Auflösung geladen.
Aber Achtung: Da die Handschriften komplett digitalisiert werden, sind auch eventuell vor- oder nachgebundene Blätter als Bilder vorhanden. Diese erreichen Sie über die Auswahlliste oder den "Vorherige Seite"-Button. Die Seiten sind mit einem vorangestellten V bzw. N gekennzeichnet.

Abbildungen der Handschrift (Einband)

Dieser Button führt Sie zum Bucheinband. Dazu zählen hier Buchdeckel und -rücken, die Rück- und die Schliessenseite, sowie die Innenseiten von Buchdeckel und Rückseite.

Abbildungen lose eingelegter Seiten

Falls die Handschrift Beilagen enthält, führt Sie dieser Button zu dem ersten der Handschrift beigefügten oder eingelegten Blättern.


Die Grafikdateien für das Web

Im Web stehen 4 (in Ausnahmefällen 5) Varianten einer Handschriftenseite zur Verfügung. Diese werden durch die folgenden Icons symbolisiert:

Überblick

Das Icon "Auge" steht für die kleinste Variante, die es auch auf einem Bildschirm mit der Auflösung 800*600 Pixel möglich machen soll, die gesamte Handschriftenseite auf einen Blick zu sehen. Es erschien uns wichtig, die Möglichkeit eines schnellen Überblicks zu geben. Von dort aus kann man in mehreren Stufen "hineinzoomen" in das Bild.

Arbeitsqualität

Das Icon "Brille" symbolisiert das Bild mit einer Breite von 1000 Pixel, so dass man die volle Breite einer Zeile Schrift auf einem Monitor mit der Auflösung 1024*768 Pixel darstellen kann.

Verbesserte Qualität

Die dritte Auflösung mit einer Bildgröße von 1600 Pixel Breite, dargestellt durch die "Lupe", ist jeweils eine technisch veränderte Datei. Der Kontrast wird jeweils erhöht, um so die Lesbarkeit des Textes zu verbessern.

Maximale Auflösung

Sollte eine Stelle im Text immer noch nicht zu entziffern sein, kann man noch die höchste Auflösung abrufen, die durch das Symbol "Mikroskop" vertreten wird. Diese Datei ist in Originalgröße, 4491*3480 Pixel, allerdings in jpg-Format.

Detailaufnahmen zu dieser Seite

Zu einigen Stellen einer Handschriftenseite kann es zusätzliche Detailaufnahmen geben, die durch diesen Button aufgerufen werden können.

Diese Dateien sind jeweils mit einem Wasserzeichen versehen. Die Originaldateien können nach der Unterzeichnung eines Nutzungsvertrages bei der Bibliothek auf CD-ROM angefordert werden.


Die originalen Grafikdateien

Die Grafikdateien liegen in drei unterschiedlichen Größen vor, da im Laufe des Projektes die Kameras gewechselt worden sind.

  1. Als erste Kamera ist eine ProgRes 3012 (vormals als Kontron bekannt) verwandt worden. Das Lamegon-Objektiv hat eine Brennweite von 14 mm und eine Lichtstärke von 3,5. Die Digitalisierung erfolgt mit einer Auflösung von 4491*3480 Punkten. Die Dateien sind unkomprimiert jeweils 45 MB groß.

  2. Als zweite Kamera wurde eine Nikon DXM 1200 verwendet. Das Lametar-Objektiv hat eine Brennweite von 25 mm und eine Lichtstärke von 2,8. Die Digitalisierung erfolgt mit einer Auflösung von 3840*3072 Pixeln. Die Dateien sind unkomprimiert jeweils 38 MB groß. (Für weitere technische Details vergleichen Sie die technische Beschreibung (pdf) von Nikon.)

  3. Als dritte Kamera wurde eine Jenoptik Eyelike M11 mit 16-shot Scanmöglichkeit verwendet. Der Sensor ist 24*36 mm groß und liefert in der Scanvariante eine Auflösung von 8000*5344 Pixeln. Die Dateien sind unkomprimiert jeweils 128 MB groß. (Für weitere technische Details vergleichen Sie die technische Beschreibung (pdf) von Eyelike.)

Der Wechsel der Kameras wurde v.a. aus Gründen der Geschwindigkeit durchgeführt. Während die ProgRes ca. 1,5 Minuten benötigte, um ein Bild anzufertigen und abzuspeichern, geschieht dies mit der Nikon in ca. 15 Sekunden. Mit der Nikon kann das Bild außerdem automatisch gedreht werden, bei der ProgRes war dafür ein extra Batchjob vonnöten. Die Mamiya/Eyelike bietet dagegen die Möglichkeit, die großformatigen Handschriften in "ausreichender" Qualität (mindestens 300dpi) zu digitalisieren.


Sekundärliteratur und Kontextbildung

Die Handschriften der Kölner Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek stehen in einer breiten Literaturtradition, in der die Handschriften und die Bibliothek selbst aus den verschiedensten Blickwinkeln heraus beschrieben und untersucht worden sind und werden. Wir bemühen uns, diese Literatur, ohne die die Handschriften kaum zu verstehen wären, so weit wie möglich hier ebenfalls digital verfügbar zu machen.5 Die Grenzen, die uns dabei durch Urheberrechtsbestimmungen gesetzt sind, werden von uns nach bestem Wissen und Gewissen beachtet. Sollten wir unwissentlich und ungewollt gegen rechtliche Bestimmungen verstoßen, so bitten wir um Mitteilung, um die betreffenden Dokumente aus unserem Angebot entfernen zu können.

Wir bemühen uns außerdem, zu einzelnen Themenbereichen möglichst aktuelle und umfassende Literaturangaben zu machen. Diese sollten für die ernsthafte Beschäftigung mit dem Handschriftenbestand oder einzelnen Handschriften eher als maßgeblich betrachtet werden, als die tatsächlich hier digital angebotenen Texte und Sekundärdokumente. Diese können aus den oben angesprochenen rechtlichen Gründen immer nur einen veralteteten Forschungsstand wiedergeben, was unbedingt berücksichtigt werden sollte!

Angesichts des aktuellen Standes der Technik und der Wiedergabemöglichkeiten von gedruckten Werken in digitalen Formen, stellen wir Dokumente mit einem hohen Anteil an speziellen Drucktypen (z.B. zur Wiedergabe von Abkürzungen in Handschriften) und solche, die in Frakturschriften gesetzt sind, nicht als elektronische Texte, sondern nur als Abbildungen der Druckausgabe zur Verfügung. Elektronische Abschriften solcher Texte nehmen wir aber immer gerne entgegen! Sie würden die Benutzbarkeit der digitalen Handschriftenbibliothek in jedem Falle erhöhen.


1 Für weitere Informationen zur Handschriftenkunde siehe das Medieval Manuscript Manual und dessen Glossar.    zurück

2 Die verfügbaren Informationen werden in einem XML-File pro Handschrift gesammelt. Aus diesen Dateien wird eine Datenbank gespeist, aus der wiederum die Listen generiert und die Suchmechanismen betrieben werden. Vgl. die ausführlicheren Erläuterungen.    zurück

3 Das Incipit der Gesamthandschrift ist der erste Satz in einer Handschrift. Wörtlich übersetzt bedeutet incipit "beginnt" und ist im Mittelalter die häufig benutzte Formel am Anfang eines Textes. Da die Texte meist keine Titel trugen, dient das Incipit als Identifikationsmittel für Texte, in unserem Projekt und dem Zensus auch für die ganze Handschrift.
Das Explicit demgegenüber ist der letzte Satz eines Textes bzw. der Handschrift und fungiert als weiteres Erkennungs- und Identifikationszeichen.
Das seltener aufgeführte Secundo folio ist eine weitere, allerdings nicht unbedingt genau zu lokalisierende Erkennungsmöglichkeit für einen Text oder eine Handschrift. Dies ist eine Textpartie, die auf dem zweiten Blatt (=wörtliche Übersetzung von Secundo folio) oder auf der vorletzten oder letzten Seite zu finden ist.    zurück

4 Da in der Regel für jede Handschrift mehrere Katalogeinträge existieren, die möglichst vollständig integriert werden, müssen diese entsprechend ihrer Aktualität, Ausführlichkeit und damit Autorität in eine Reihenfolge gebracht werden. So werden z.B. die Angaben aus dem Ausstellungskatalog 'Glaube und Wissen im Mittelalter' höher bewertet als die vergleichsweise knappen Angaben des Zensus oder die veralteten Angaben aus Jaffé-Wattenbach.    zurück

5 Vergleichen Sie die Reiter Handapparat   zurück