Erweitertes Kurzkatalogisat: Köln, Dombibliothek, Codex 1001a.
Titel: Evangeliar aus St. Maria ad Gradus
Entstehungszeit: um 1030
Entstehungsort: Köln
Hauptsprache: Lateinisch
Beschreibstoff - Zusatz: Pergament
Incipit: Beatissimo papae Damaso Hieronimus...
Explicit: ... Usq(ue) salvum facere quod perierat
Inhaltsangabe (nach:
Glaube und Wissen)
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Innenspiegel: Evangeliar/ca. 1025/vgl. Chronik I, 188.129/Bibliothek des Erzbischöflichen Priesterseminars/Cöln a. Rh; Bibliotheksstempel der Diözesanbibliothek; Signaturen aus unterschiedlichen Zeiten Hs.1a/548/2702/94.
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1r Eingangszierseite: gerahmtes Purpurfeld.
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1v Maiestas Domini mit Beischrift IHCUS XPISTUC umgeben von den mit Namen bezeichneten Evangelistensymbolen und vier Propheten (HIEZECHIEL, DANIEL, ISAIAS, HIEREMIAS); im Buch Christi die Inschrift EGO SUM ALFA ET OMEGA PRIMUS (Apk 22,13).
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2r - 7v Zwölf Kanontafeln (2I, 3II, III, IV, V, VI-VIII, IX-XMt, XMk, Lk, XJo).
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8r - 15v Vorreden.
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8r Autorenbild des Bibelübersetzers Hieronymus mit einem Schreiber und begleitenden, nicht ganz sauberen Hexametern Hic pater insignis meritis Hieronimus almis. Scriptor et interpres divinae legis habetur (Jacobsen 1991, 187 ) - Dieser ist der gütige Hieronymus, der Vater, durch seine Verdienste ausgezeichnet: als der Schreiber und Übersetzer des Göttlichen Gesetzes wird er angesehen.
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8v Initialzierseite. Titel zum Brief des Hieronymus an Papst Damasus I.
Incipit: b(EATISSIMO PAPAE DAMASO HIERONIMUS).
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9r Brief N(OVUM OPUS) (Stegmüller 595 ).
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13r Vorrede P(LURES FUISSE) (Stegmüller 596 ).
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Titel: Matthäusevangelium
15v - 79r
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15v Vorrede M(ATHEUS IN IUDEA) (Stegmüller 590 ). Als Rubrik: MATHEUS HIC HOMINEM GENERALITER IMPLET.
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20r Schriftzierseite
(MGH PP V 449, Nr.23 c II ; Bloch/Schnitzler I 1967, 72 ; Jacobsen 1991, 187 ) - Gezählt unter die apostolischen Freunde des Herrn, ist dieser es, der als erster, voll des heiligen Charismas, die berühmten Wundertaten des heilbringenden Christus aufschrieb und zu den heiligen Taten dessen fromme Lehren hinzusetzte. Als würdiger Evangelist Gottes, mit dem Zunamen Levi, zeigte Matthäus ihn als wahren Menschen und wahren Gott.
Incipit: INTER APOSTOLICOS DOMINI/NUMERATUS AMICOS/HIC EST QUI PRIMUS SANCTO/QUE CARISMATE PLENUS/CLARA SALUTIFERI SCIP/SIT (!) MIRACULA XPISTI./IPSIUS ET SACRIS IUNXIT/PIA DOGMATA FACTIS/DIGNUS EVANGELISTA/DEI COGNOMINE LEVI/ MATHEUS OSTENDENS/VERUM HUNC HOMINEMQUE/DEUMQUE
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21v Evangelist Matthäus. Auf den Schriftrollen aller Evangelisten ist der Beginn des jeweiligen Evangeliums verzeichnet.
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22r Titelzierseite
Incipit: INCIPIT LIBER SANCTI EVANGELII SECUNDUM MATHEUM.
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23v Initialzierseite
Im Rahmen vier Medaillons mit männlichen Büsten vor Goldgrund.
Incipit: L(IBER GENERATIONIS).
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24r Fortsetzung des Textes mit der Wiederholung von generationis.
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Titel: Markusevangelium
80r - 115v
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80r Vorrede
(Stegmüller 607 ).
Incipit: M(ARCUS EVANGELISTA DEI)
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84r Schriftzierseite doctor apostolicus hoc/pingitur ordine Marcus./Qui Petri natus fuit/In baptismate SanctuS/Atque evangelii quod di/dicit ore magistri/Veridicus scriptor/quod summus postea pastor/Praedicat In magnis A/lexandri moenibus urbis/In qua nunc meritis/martyr veneratur opimis (MGH PP V 450, Nr.23 c III ; Bloch/Schnitzler I 1967, 73 ; Jacobsen 1991, 188 ) - In dieser Reihe wird Markus dargestellt, der apostolische Gelehrte, der als Heiliger geboren ist in der Taufe durch Petrus und ein wahrhaftiger Schreiber des Evangeliums war, das er aus dem Munde des Lehrers erfuhr, das er später als höchster Hirte in den großen Mauern der Stadt des Alexander verkündete, wo er nun mit verdienten Reichtümern als Märtyrer verehrt wird.
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85r Titelzierseite
Incipit: INCIPIT LIBER SANCTI EVANGELII SECUNDUM MARCUM.
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85v Initialzierseite IN(ITIUM). Im Rahmen zwei Medaillons mit männlichen Büsten vor Goldgrund.
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Titel: Lukasevangelium.
116r - 173v
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116r Vorrede
(Stegmüller 620 ).
Incipit: L(UCAS SYRUS ANTIO censis)
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117r Capitula Z(acharias).
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121v Schriftzierseite AECLESIAE LAMPAS SA/CER HIC EST NOMINE LUCAS/QUI VIR APOSTOLICUS DI/VINO FAMINE (!) PLENUS/HOC EVANGELIUM DOMINO/TRIBUENTE SACRATUM/SCRIPSIT ET IN TOTUM/SPARSIT LATISSIME MUNDUM/IPSE SEQUENS SANCTUM PER/PLURIMA VINCULA PAULUM/BITHINIAQUE DOCENS MI/GRAVIT AD ARDUA CELEBS (MGH PP V 450, Nr.23 c IV ; Bloch/Schnitzler I 1967, 73 ; Jacobsen 1991, 188 ) - Dieser ist die heilige Leuchte der Kirche, mit Namen Lukas, der als Apostel voll des göttlichen Hauches dieses heilige Evangelium schrieb, von Gott gewährt, und es weithin in die ganze Welt verbreitete. Er folgte dem heiligen Paulus durch viele Fesseln und wanderte lehrend und unverheiratet bis in die steilen Höhen Bithyniens.
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122v Initialzierseite mit dem Vorspann
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Incipit: Q(UONIAM QUIDEM)
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123r Beginn des Evangelienberichtes
Incipit: F(UIT IN DIEBUS).
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Titel: Johannesevangelium.
173v - 211v
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177r Schriftzierseite INTER PRECIPUOS PA/RADYSI QUATUOR AMNES/HIC EST VERBIPOTENS CAE/LI SIMNISTA IOHANNES/QUI SACRA DIVINI RE/SERANS MISTERIA VERBI/PLANUS (!) HAEC SCRIPSIT/PER MUNDI CLIMATA SPARSIT/INTER MIRIFICOS ACTUS/ETIAM AD CAELESTIA RAPTUS/MONSTRA (!) VENTURAE/QUALIS SIT GLORIA VITAE (MGH PP V 450, Nr.23 c V ; Bloch/Schnitzler I 1967, 74 ; Jacobsen 1991, 188 ) - Unter den vorzüglichen vier Flüssen des Paradieses ist dieser hier Johannes, wortgewaltiger Vertrauter des Himmels, der die heiligen Geheimnisse des göttlichen Wortes eröffnete, diese klar vernehmbar aufschrieb, über die Zonen der Welt hin verbreitete. Unter wunderbaren Taten zum Himmel emporgerissen zeigt er, welches der Glanz des kommenden Lebens sein wird.
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178r Titelzierseite
Incipit: INCIPIT LIBER SANCTI EVANGELII SECUNDUM IOHANNEM.
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178v Initialzierseite IN . Im Rahmen und in der Mitte der Buchstabenligatur das Lamm Gottes und die Evangelistensymbole.
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179r Schriftzierseite principio erat verbum ... Fuit homo missus a Deo.
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179v Leer (Textauslassung).
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180r Text setzt wieder ein mit Et de plenitudine (Jo 1,16).
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Titel: Capitulare evangeliorum.
211v - 220r
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220v Leer. Innenspiegel Num 753b.
Buchschmuck (nach:
Zensus)
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Fol. 1r Zierseite, Purpurgrund ohne Beschriftung
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Fol. 1v Maiestas Domini: In dem durch drei Purpurstreifen horizontal unterteilten Goldgrund sind als Halbfiguren Hiezechiel (o. li.), Daniel (o. re.), Isaias (u. re.) und Hieremias (u. li.) abgebildet
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in den Mittelfeldern befinden sich die Evangelistensymbole
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Fol. 2r - 7v Kanontafeln: Purpurne Architrave, goldgefaßt, mit einer Beschriftung in goldenen Majuskeln, die Kapitelzahlen in blaßviolett, goldene Trennungslinien
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Fol. 8r Hieronymusbild: Der Kirchenvater wendet sich diktierend einem Schreiber zu
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Fol. 8v Zierseite zum Beginn der ersten Vorrede 'Novum Opus', goldene Majuskeln auf Purpurgrund
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Fol. 9r , 13r und 15v Gold- und Silberinitiale mit Ranken auf Blau und Grün
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Fol. 20r Zierseite, Purpurgrund mit goldener Beschriftung
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Fol. 21v Darstellung des Evangelisten Matthaeus
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Fol. 22r Incipitseite, goldene Majuskeln auf Purpurgrund, der Rahmen besteht aus grünem und hellblauem Blattfries zwischen Goldleisten in der Mitte, jeweils aufgesetzt ein Zierquadrat mit Mäander
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Fol. 23v Evangelieninitialseite, auf dunklem Purpurgrund Gold- und Silberinitialen
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Fol. 80r Initial-M zum Prolog des Markusevangeliums, nur mennigfarben angelegt
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Fol. 84r Zierseite, Purpurgrund mit goldener Beschriftung
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Fol. 84v Darstellung des Evangelisten Markus
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Fol. 85r Incipitseite, goldene Majuskeln auf Purpurgrund, der Rahmen aus hellblauem und violettem Fries, ohne Zierquadrate
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Fol. 85v Evangelieninitialseite
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Fol. 116r Goldrankeninitiale L(ukas) zu Beginn des Prologs zum Lukasevangelium
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Fol. 121v Zierseite, Purpurgrund mit goldener Beschriftung, auf dem Rahmen Zierquadrate mit geometrischen Mustern
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Fol. 122r Darstellung des Evangelisten Lukas
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Fol. 122v Evangelieninitialseite
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Fol. 177r Zierseite, Purpurgrund mit goldener Beschriftung, Blattfries fliederfarben, Rahmen
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Fol. 177v Darstellung des Evangelisten Johannes
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Fol. 178r Incipitseite, Zierquadrate mit geometrischem Muster
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Fol. 178v prächtiges Evangelieninitial: große Gold- und Silberligatur IN
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dem aufwendigen Rahmen aufgesetzt sind vier violett gefaßte Zierquadrate mit den Symbolen der vier Evangelisten
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ein ebensolches Quadrat mit dem Lamm Gottes in der Mitte der Ligatur
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Fol. 179r Zierseite mit dem Textbeginn des Johannesevangeliums
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z.T. Kapitelanfangslettern und Zahlen am Rand in Gold.
Überblicksbeschreibung:- Evangeliar aus St. Maria ad Gradus Das Evangeliar befand sich noch 1752 im Besitz der im vergangenen Jahrhundert (ab 1816) abgerissenen Kölner Kirche St. Maria ad Gradus (Hartzheim 1752), die im Jahre 1057 von Erzbischof Anno II. (1056-1075) geweiht worden war. Ob es zur ursprünglichen, noch im Auftrag Annos angelegten Ausstattung gehörte, ist unsicher. Durch die Jahresringe des originalen Holzeinbandes ist die Handschrift auf jeden Fall nach 1011 und durch die stilistische Einbindung der Miniaturen genauer um 1030 zu datieren. Zusammen mit den Evangeliaren in New York (Pierpont Morgan Libr., M 651) und Bamberg (Staatsbibl., Ms. Bibl. 94) dokumentiert sie innerhalb der Kölner Buchmalerei eine Sonderform, die wegen ihres kostbaren Schmucks als 'Reiche Gruppe' bezeichnet wird und wohl im 2. Viertel des 11. Jahrhunderts entstand. Motivisch und ikonographisch ist die Handschrift den übrigen Evangeliaren der Kölner Schule eng verbunden. Diese Einheitlichkeit erklärt sich aus der fast normativen Wirkung eines in Köln als Vorlage genutzten Evangeliars, das dem Trierer Gregormeister (tätig gegen Ende des 10. Jhs.) zugeschrieben werden kann (Manchester, John Rylands Libr., Lat. 98). Typisch ist zudem die Ergänzung der kanonischen Vorreden um Hexameter aus Kölner Feder, die das jeweilige Evangelium erläutern, oder die Erweiterung des Bildprogramms um die den Evangelien vorangestellte Maiestas und um das Autorenportrait des Bibelübersetzers Hieronymus als Verfasser der Prologe. Als Quellen sind spätkarolingische Bildtypen zu erschließen, die vielleicht schon in einer ottonischen Umformung durch den Gregormeister vorgelegen haben mögen (Bloch/Schnitzler I 1967 ). Um so erstaunlicher ist der stilistische Bruch, der sich um 1030mit dem Übergang von der vorangegangenen 'Malerischen' zur 'Reichen Gruppe' vollzieht, und der mit dem Einfluß neuer Vorlagen einhergeht. Der sehr vom Malgestus geprägte Pinselstrich der früheren Miniaturen wird von konstruierter Großflächigkeit abgelöst. Ob der Stilwandel auf einen unter Erzbischof Pilgrim (1021-1036) verstärkten Einfluß Reichenauer Malerei zurückzuführen oder vielleicht eher den allgemeinen Stiltendenzen der Zeit verpflichtet ist, muß hier offen bleiben. Die im Hillinus-Codex (Dom Hs.12, Kat.Nr.76) dokumentierte Präsenz Seeoner und Reichenauer Tradition hat keine meßbaren Konsequenzen in der Kölner Malerei bewirkt - wenn man von der für die Schule ungewöhnlichen L-Initiale zum Lukasprolog unserer Handschrift (116r) absieht. Ikonographisch weichen vor allem die Evangelistenbilder der 'Reichen Gruppe' von denjenigen der älteren Kölner Handschriften ab. Die neuen Bildquellen liegen in Byzanz und spätkarolingischer Buchmalerei aus der Zeit Karls des Kahlen (840/843-877). Nur vage zu erschließende Parallelen reichen von Süddeutschland über Mainz bis nach Trier (Bloch/Schnitzler I 1967 ) - sie streifen nicht die Reichenau - und lassen keine eindeutigen Abhängigkeiten erkennen. Mit dem abrupten Ende der 'Reichen Gruppe' verlieren auch die neuen Vorlagen an Einfluß. Insgesamt bestimmen die delikate Farbigkeit und die kostbaren Materialien den Eindruck der Handschrift. Der Ausstattung stehen jedoch Schwächen in der Ausführung des Textes gegenüber, die Probleme in der Zusammenführung von Text und Bild deutlich machen. Der bis auf Folio 121v-122r gute Erhaltungszustand, die Textauslassung auf Folio 179v und Mängel des 'Capitulare evangeliorum' (Beissel 1898) legen die Vermutung nahe, daß das Evangeliar nicht zum lesenden Gebrauch bestimmt war, sondern vielleicht als "Schwurbibel" Verwendung fand (Schönartz 1975). Autor des Textes: Ulrike Surmann
