Erweitertes Kurzkatalogisat: Köln, Dombibliothek, Codex 143.
Namen und Signaturen: Darmst. 2138
Titel: Everger-Lektionar
Entstehungszeit: Zwischen 985 und 999
Entstehungsort: Köln
Hauptsprache: Lateinisch
Secundo Folio: Fol. 2 manu saec. XV scriptum est: "Liber sancti Petri ecclesie maioris Coloniensis quem Euergerus archiepiscopus dedit, continens epistolas Pauli quantum ad missas per annum."
Beschreibstoff - Zusatz: Pergament
Incipit: Nexus alme pater vitior(um) solve potenter...
Explicit: ...ut doctrinam d(e)i n(ost)ri ornet in omnibus.
Inhaltsangabe (nach:
Glaube und Wissen)
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1r - 2v Vorsatzblätter aus Pergament.
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1r Leer (urspr. aufgeklebt).
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1v Alte Signatur Codex 152.
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2r Vermerk des 15. Jhs. von der gleichen Hand wie der Vermerk in Dom Hs.144 Liber sancti Petri ecclesiae maioris Coloniensis quem Evergerus archiepiscopus dedit. continens Epistolas Pauli [quantum] ad missas per annum.
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3v - 4r Devotionsbild.
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3v Der Stifter Erzbischof Everger liegt vor den auf der gegenüberliegenden Seite dargestellten Apostelfürsten am Boden. Stifterinschrift in Hexametern Nexus alme pater vitiorum/solve potenter./Paule Deo lectus pariter/tu solve reatus./Consequar ut veniam/Xpisto donante supernam. EVERGERUS ARCHIEPISCOPUS (Bloch/Schnitzler I 1967, 13 ; Jacobsen 1991, 187 ).
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4r Thronende Apostelfürsten Petrus und Paulus mit griechischer Bezeichnung Alpha;Gamma;Iota;Omicron;Sigma; Pi;Eta;Theta;Rho;Omicron;Sigma; Alpha;Gamma;Iota;Omicron;Sigma; Pi;Alpha;Upsilon;Lambda;Upsilon;Sigma; und im Rahmen umlaufenden Hexametern PRESUL EVERGERUS CUIUS SUM NOMINE SCRIPTUS./HOS VOCAT ESSE SUOS DEVOTA MENTE PATRONOS. (Bloch/Schnitzler I 1967, 13; Jacobsen 1991, 187; MGH PP V, 449, Nr.23a I/II).
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Titel: Epistolar
5v - 157v
(Bloch/Schnitzler I 1967, 17ff. ).
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5v Titelzierseite zur Lesung der Weihnachtsvigil
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Incipit: L(ECTIO EPISTOLAE BEATI PAULI APOSTOLI AD ROMANOS)
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6r Initialzierseite. Lesung F(RATRES).
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6v Initialzierseite mit der Fortsetzung des Textes P(AULUS SERVUS XPISTI IHSU).
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7r Textzierseite. Fortsetzung vocatus apostolus - ad obediendum fidei.
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8r 3. Weihnachtsmesse M(ULTIFARIAM MULTIS).
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60v Palmsonntag h(oc sentite in vobis).
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73v Initialzierseite. Ostern E(XPURGATE VETUS FERMENTUM).
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74r Ursprünglich scheint keine Initialzierseite vorgesehen gewesen zu sein. Der Text von 73r stand ursprünglich oben auf 74r und wurde ausradiert, als das Einzelblatt mit der Initialzierseite eingefügt und mit dem dann ausradierten Text versehen wurde.
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85r Christi Himmelfahrt P(rimum quidem sermonem).
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87r Pfingstvigil. Freiraum für eine größere Initiale oder Rubrik, die dann nicht ausgeführt wurde.
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88r Initialzierseite. Pfingsten d(UM COMPLERENTUR DIES PENTECOSTES).
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104v Fest des hl. Petrus I(n diebus illis. Misit Herodes).
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Titel: Commune sanctorum.
143r
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151r Votivmessen, darunter 153r CONTRA IUDICES MALE AGENTES und 154r CONTRA EPISCOPOS MALAE (!) AGENTES und 156v zum Abschluß zwei Lesungen IN ORDINATIONE PRESBITERORUM .
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158r Leer, bis auf eine Federprobe Reginhr. (Schreibername?).
Buchschmuck (nach:
Zensus)
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Fol. 3v , 4r ganzseitige Miniaturmalereien, die als Widmungsbilder zusammengehören.
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Fol. 3v in der unteren Bildhälfte Darstellung des Erzbischofs Everger in Proskynese, über Schultern und Rücken das silberne, jetzt schwarze Pallium, in den gefalteten Händen das goldene Manipel, den Blick gerichtet auf die auf der gegenüberliegenden Bildseite abgebildeten Apostel Petrus und Paulus; in der oberen Bildhälfte in Goldbuchstaben auf Purpurgrund das Gebet des Erzbischofs. Dieses Bild ist gerahmt von einer silbernen Blattranke zwischen zwei goldenen Streifen.
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Fol. 4r die Apostel Petrus und Paulus, bekleidet mit hellblauen Tuniken und blaßpurpurnen Pallien, nebeneinander sitzend auf grün-goldenen und silbernen Thronen; beide halten in der linken Hand ein goldenes Buch. Neben den goldenen Nimben stehen in griechischen Großbuchstaben ihre Namen. Petrus weist mit der Hand auf Everger, Paulus segnet den Erzbischof. Der das Bild einschließende Purpurrahmen zwischen Goldleisten trägt in Goldbuchstaben die Inschrift: Presul Evergerus cuius sum nomine scriptus. + Hos vocat esse suos devotamente patronos.
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Fol. 5v - 6v (Vigilia nativitatis) Initialzierseiten mit z.T. rot gefaßten gold-silbernen Initialen, verziert mit Flechtband, Ranken, Blüten und Schnallen oder einfache Goldmajuskeln auf blauem Grund
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Fol. 7r 1. Textseite der Lesung in Goldschrift. Alle vier Seiten zeigen einen aus jeweils zwei Goldleisten gebildeten Rahmen mit vor allem silbernen und goldenen Mustern. Fol. 73v und 88r ähnlich gestaltete Initialzierseiten (Ostern, Pfingsten)
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Fol. 8r rot-goldene Zierinitale M, mit reichem Flechtwerk verziert
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zahlreiche einfache Goldinitialen; nur auf Fol. 60v , 85r , 104v mit Flechtwerk, zusätzlichem Silberschmuck und roter Rahmung.
Überblicksbeschreibung:- Everger-Lektionar Das fälschlich als Lektionar bezeichnete Epistolar enthält die Lesungen der Messe, die dem Alten Testament, den Apostelbriefen, der Apostelgeschichte und der Apokalypse entnommen sind. Als Schreiber zahlreicher Briefe fällt vor allem dem Apostel Paulus die Autorschaft des Epistolars zu. Sein Autorenportrait wird daher häufig dieser Textsammlung vorangestellt. Auch in dieser Handschrift gilt ihm und dem Patronatsheiligen Petrus, für dessen Kirche der Codex hergestellt wurde - das Formular seines Festtages ist besonders hervorgehoben (104v) -, die Verehrung des Stifters, des Erzbischofs Everger von Köln (985-999). Auf dem zweiseitigen Devotionsbild (3v-4r) liegt er, in seine liturgische Amtstracht gekleidet, ausgestreckt auf einer blühenden Wiese. Seine Haltung unterscheidet sich von der Proskynese, dem liegenden Knien des byzantinischen Hofzeremoniells. Über die betend vorgestreckten Hände ist der Manipel gelegt. Auf derselben Wiese thronen ihm gegenüber die Apostelfürsten Petrus und Paulus in der Art einer frühchristlichen Disputatio, unterschieden lediglich durch ihre für sie typische Physiognomie und die Gestik. Während Paulus den Stifter zu segnen scheint, weist Petrus über den Bildrahmen hinaus auf Everger hin. Möglicherweise hat er soeben den Manipel überreicht (Schönartz 1985). Die Beischriften erläutern das Geschehen: Während auf der linken Seite der Erzbischof die Apostel um die Befreiung von seinen Sünden bittet, bezeugt in der Umschrift des rechten Bildes das Buch die Stiftung und den dargestellten Vorgang. Konkrete Aussage, die sich vielleicht auch aus der Gestik der handelnden Personen ergibt, und juristische Relevanz dieses ungewöhnlichen Devotionsbildes sind noch unerforscht. Das Epistolar Evergers steht zusammen mit Dom Hs.53 und vielleicht mit Dom Hs.5 (Kat.Nr.41) und dem Gundold-Evangeliar (Stuttgart, Württembergische Landesbibl., Bibl. 40 2) am Anfang der Kölner ottonischen Buchmalerei (Nordenfalk 1971). Trotz vieler Gemeinsamkeiten - z.B. der Vorliebe für Graecismen, die hier fehlerhaft auftreten - unterscheiden sich die Handschriften von ihr in Figuren-, Ornament- und Initialstil, so daß deren Ursprung nicht in dem vielleicht im Kloster St. Pantaleon beheimateten Skriptorium, sondern in der Domschule vermutet wird (Kottje 1991, von Euw 1991). Während die Initialen mit ihren geflochtenen Ranken auf Vorlagen aus Trier und von der frühen Reichenau verweisen, finden Ornamentmotive und Ikonographie ihre Quellen in der Hofschule Karls des Kahlen (840/843-877), wie z.B. in dem zweiseitigen, selbst in der landschaftlichen Gestaltung sehr ähnlichen Devotionsbild im Psalter des späteren Kaisers (München, Schatzkammer der Residenz). Dieses oder ein ähnliches wird auch zitiert im Mainzer Gebetbuch Ottos III. (996-1002) (München, Bayer. Staatsbibl., Clm 30111), so daß letztlich nicht zu entscheiden ist, ob die spätkarolingischen Vorläufer direkt oder über eine frühottonische Vermittlung aufgenommen wurden. Autor des Textes: Ulrike Surmann
