Erweitertes Kurzkatalogisat: Köln, Dombibliothek, Codex 56.
Namen und Signaturen: Darmst. 2051
Titel: Evangeliar
Entstehungszeit: 3. Viertel 9. Jh.
Entstehungsort: Umkreis der Freisinger Malerschule
Hauptsprache: Lateinisch
Secundo Folio: octauo duo lucas.
Beschreibstoff - Zusatz: Pergament
Spätere Ergänzungen: Marginal canon table references; on other marginalia, see Bischoff, loc. cit. below .
Incipit: Incipit prefatio s(an)c(t)i Hieronimi. Beato papae Damaso...
Explicit: ...ego resuscitabo eu(m) in novissimo die
Inhaltsangabe (nach:
Glaube und Wissen)
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1r - 9r Vorreden und Kanontafeln.
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Autor: Hieronymus
Titel: Vorrede zu den Evangelien. Brief an Papst Damasus
1r
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(Stegmüller 595 ).
Incipit: INCIPIT PRAEFATIO SANCTI HIERONIMI. BEATO PAPAE DAMASO Hieronimus. Novum opus
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2r
Explicit: EXPLICIT EPISTOLA BEATI HIERONIMI.
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2v Titelzierseite zur Kanonfolge IN NOMINE DOMINI NOSTRI IHESU XPISTI INCIPIUNT CANONES .
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3r - 7r Neun Kanontafeln (I, I-II, 2II, III-IV, V, VI-IX, XMt, Mk, Lk, XJo).
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6r Eingeritzte Zeichnung u.a. eines Löwen und eines Adlers.
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7v Vorrede SCIENDUM tamen (Stegmüller 601 ).
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8r Vorrede PLURES FUISSE (Stegmüller 596 ). Sollte die im Collegeville-Katalog geäußerte Vermutung richtig sein, fehlt zwischen den beiden Vorreden heute ein Blatt.
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Titel: Matthäusevangelium
9r - 42v
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9r Vorrede MATTHEUS EX IUDEA (Stegmüller 590/591 ).
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10r Eingeritzte Zeichnung der Büste eines Evangelisten (?).
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10v Evangelist Matthäus; im auf dem Pult liegenden Buch des Evangelisten der Anfang seines Evangeliums.
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11r LIBER GENERATIONIS . Hervorgehoben sind:
11v Bericht von der Geburt Christi X(RISTI AUTEM GENERATIO) , 38v Beginn des Passionsberichtes ET FACTUM EST ,
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42v Osterbericht VESPERE AUTEM... ibi eum videbitis sicut dixit vobis. Die folgende Seite mit der Fortsetzung des Textes (r) und dem Evangelistenbild zum Markusevangelium (v) fehlt.
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Titel: Markusevangelium
43r - 64r
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43r Vorrede MARCUS EVANGELISTA (Stegmüller 607 ) und Capitula.
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43v EXPLICIUNT CAPITULA .
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44r INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM MARCUM. INITIUM EVANGELII.
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58r Eingeritzte Zeichnung von vegetabiler Ornamentik.
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64r EXPLICIT EVANGELIUM SECUNDUM MARCUM.
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Titel: Lukasevangelium
64v - 101r
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64v Evangelist Lukas; im Buch der Titel zu seinem Evangelium SEQUENTIA SANCTI EVANGELII SECUNDUM LUCAM.
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65r Vorrede INCIPIT PRAEFATIO SECUNDUM LUCAM. LUCAS SYRUS ANTIOCEN sis (Stegmüller 620 ).
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66v EXPLICIUNT CAPITULA SECUNDUM LUCAM. INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM LUCAM. Q(UONIAM QUIDEM).
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101r EXPLICIT EVANGELIUM SECUNDUM LUCAM.
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Titel: Johannesevangelium
101v - 127r
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101v Evangelist Johannes; in seinen Büchern der Titel zu seinem Evangelium SEQUENTIA SANCTI EVANGELII SECUNDUM IOHANNEM und der Beginn seines Evangeliums.
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102r Vorrede HIC EST IOHANNES (Stegmüller 624 ).
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Titel: Capitulare evangeliorum
127r - 138v
.
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137v LECTIONES EVVANGELIORUM DE DIVERSIS CAUSIS.
Buchschmuck (nach:
Zensus)
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Fol. 2v - 7r neunteilige Kanonfolge in byzantinisch-antikisierendem Stil
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Evangelistenbilder in Deckfarbenmalerei: Fol. 10v Matthaeus, Fol. 64v Lucas, Fol. 101v Johannes.
Überblicksbeschreibung:- Evangeliar Bis heute steht Dom Hs.56 trotz eindeutiger Parallelen zu drei Evangeliaren der Freisinger Malerschule (München, Staatsbibl., Clm 17011, Clm 6215 und Baltimore, Walters Art Gall., W. 4) aus der Zeit Bischof Annos (854-875) seltsam isoliert unter den Handschriften des 9. Jahrhunderts. Deutlich zeichnen sich die Vorlagen ab, die das Kölner Evangeliar vor allem mit der spätesten der Freisinger Handschriften in Baltimore verbinden. Die in der Landschaft hockenden, in faltenreiche Gewänder fast eingewickelten Evangelisten entstammen derselben Tradition wie diejenigen der Handschriftengruppe des Wiener Krönungsevangeliars, die am Aachener Hof Karls des Großen (768-814) entstand, und vor allem wie diejenigen des Skriptoriums in Reims zur Zeit Erzbischof Ebos (816-835). Hier, in Reims, sind auch die von einem Giebel auf zwei z.T. durchfensterten Säulen gerahmten Kanontafeln beheimatet, die aber in Freising ohne Nachfolge blieben. Dagegen scheinen die hinter dem Rahmen auftretenden Evangelistensymbole in diesen westfränkischen karolingischen Schulen unbekannt zu sein. Sie basieren wahrscheinlich auf südostdeutscher Tradition, wie sie um 800 z.B. im Salzburger (?) Codex Millenarius (Stift Kremsmünster, Cim. 1) aufscheint und daran anschließend in Freising fortgesetzt wird (Wright 1964). Diese Weiterführung umfaßt nicht nur die Symbole, sondern auch die ausgefallene Auswahl der Vorworte, die allerdings in dem Kölner Codex nicht überliefert wird. Ohne direkte Parallele ist lediglich der etwas ungelenke Johannes aus Dom Hs.56 (101v). In der Haltung seines Oberkörpers entspricht er einem frontal thronenden Evangelisten, der vielleicht auch dem Lukas des Evangeliars in Baltimore (126v) zugrunde gelegen hat. Der Hocker, auf dem Johannes sitzt, erinnert an die Edelsteinthrone der Ada-Handschriften vom Hof Karls des Großen. Sollten auch aus dieser Schule Vorlagen wirksam geworden sein? Hinter dieser verwirrenden Quellenlage werden weitere, möglicherweise schon durch karolingische Aneignung vermittelte Vorlagenschichten deutlich, die in die römische und griechische Spätantike zurückführen. Die Pose des Lukas (64v) und vielleicht auch die des Matthäus (10v) sowie das Mobiliar ihrer Schreibstuben verweisen auf ein (nicht erhaltenes) vorikonoklastisches Tetraevangeliar, das z.B. durch die Handschrift Stauronikita Ms.43 (Berg Athos) überliefert ist (Mütherich 1974, 1987). Eine genauere Bestimmung von dessen Ursprung ermöglichen die Kanontafeln (3r-7r). Die ungewöhnliche Neun-Zahl kommt der griechischen Redaktion nahe, die sieben oder zehn Tafeln umfaßt (gegenüber 12 oder 16 im Westen). Die Verteilung der die Konkordanzstellen enthaltenden Canones auf die einzelnen Tafeln entspricht derjenigen einer süddeutschen Handschrift aus dem 2. Viertel des 9. Jahrhunderts in München (Staatsbibl., Clm 6212), die laut Kolophon nach einer ravennatischen Vorlage des 6. Jahrhunderts kopiert wurde (Mütherich 1974, 1987). Vielleicht liegt hier auch der Ursprung für die sonst nicht nachweisbare Titelseite der Kanonfolge (2v). In die Anfänge der westlichen Evangeliartradition gehören dagegen die wenigen Glossen des Kölner Evangeliars, die womöglich noch auf die Übersetzung durch den Kirchenvater Hieronymus (347/348-419/20) zurückgehen und die in karolingischer Zeit mehrfach auftreten, unter anderem auch in Clm 17011 (Bischoff 1966). So zahlreich die Parallelen zu Freisinger Handschriften auch sein mögen, der Stil der Miniaturen ist dort wesentlich flüssiger als in Dom Hs.56. Die Kanontafeln, der Initialstil und auch die Textredaktion folgen anderen Traditionen. Zumindest letztere scheint in Augsburg beheimatet zu sein (Mütherich 1997). Autor des Textes: Ulrike Surmann
