Erweitertes Kurzkatalogisat: Köln, Dombibliothek, Codex 45.
Namen und Signaturen: Darmst. 2040
Titel: Psalter mit Glossen
Entstehungszeit: um 993-996
Entstehungsort: Köln (?)
Hauptsprache: Lateinisch
Secundo Folio: ut qui in.
Beschreibstoff - Zusatz: Pergament
Spätere Ergänzungen: Occasional marginalia; two added passages with neums; a few small pen sketches of animal and human heads (added later); formal gloss on Psalter (for arrangement, see ruling above).
Incipit: Beatus David rex magnus et servus d(e)i altissimi...
Explicit: ...kyrie eleyson
Inhaltsangabe (nach:
Glaube und Wissen)
-
Autor: Alkuin
Titel: Offiziumstexte für die Wochentage
1r - 7v
,
(PL 101, 509-549, 1399, 1409-1410 ; der Text weicht von der Reihenfolge der Edition ab und enthält Zusätze).
-
1r
Incipit: I(N NOMINE SANCTAE TRINITATIS INCIPIT PREFATIO ORATIONIS). B(EATUS DAVID)
-
Titel: Kalendar
8r - 15v
: 26.3. In Wirduna s. Liudgeri, 20.4. Maximini m., 25.4. Adventus s. Liudgeri epi., 29.4. Quirini epi., 2.7. Dedicatio s. Otmari, 4.7. Translatio et ordinatio et dedicatio basilicis (!) magne S.Martini epi. et s. Odelrici, 8.7. Kiliani, Cholonati, Totmani m., 28.7. Pantaleonis m., 5.8. S.Oswaldi regis et m., 6.9. S.Magni conf., 17.9. Landberti epi. et m., Et Huperti, 15.10. Vigilia s. Galli, 16.10. Deposicio s. Galli, 17.10. Dedicatio basilicae s. Galli, 24.10. Oct. s. Galli, 3.11. Phirmin abb. et Humberti, 15.11. Vigilia s. Otmari abb., 16.11. Depositio s. Otmari, 21.11. Severini epi. et Mauri m., 22.11. Caecilie virg., 29.12. Liborii epi. Nachträge des 11.Jahrhunderts: 25.1. Idit regina, 3.3. Et obiit Cunegunde imperatricis, 11.6. obiit Evergerus Archiepiscopus, 13.7. Heinricus imperator obiit, 27.9. Dedicatio ecclesie sci. Petri in Colonia, 3.10. In Colonia duorum Ewaldorum, 10.10. (S.Gereonis) et aliorum CCCXVIIII in Colonia, 15.10. Colonie sanctorum aurorum, 16.10. et Lulli et Elifii m. in Colonia, 24.10. Severini epi. in Colonia, 12.11. In Colonia Cuniberti conf., 22.12. In Colonia Gregorii mart.
-
Titel: Prologe zu den Psalmen.
16r - 27r
-
Autor: Hieronymus
Titel: Praefatio in librum psalmorum
16r/v
,
(Stegmüller 430 ; PL 29, 121-124 ).
-
16v - 17r David filius Iesse cum esset (Stegmüller 414 ).
-
Autor: Pseudo-Augustinus
Titel: De virtute psalmorum
17r/v
,
(Stegmüller 369 ).
-
17v Hic citharista (Walther 7866 ; MGH PP V/3, 673f. ).
-
18r Psallere qui docuit (Stegmüller 419 ; Hieronymus, Versiculi PL 13, 375 ; Walther 14885 ).
-
18r/v Nunc Damasi monitis (Stegmüller 408 ; Damasus, Versus PL 13, 375 ).
-
18v - 19r hoc citharista puer (Stegmüller 386 ; nur Anfang und Ende von PL 26, 855 ).
-
19r/v Nempe diappsalma (!) est (Stegmüller 11596 ).
-
19v Asteriscus apponitur (Stegmüller 7486 ).
-
19v - 20r Obolus superne. Fünf Bemerkungen über obolus, limnicus, psalterus und diapsalma (vgl. Stegmüller 5306 , aber mit abweichendem Text).
-
20r - 21r Psalterum inquirendum (Stegmüller 426 mit abweichendem Text).
-
Autor: Pseudo-Hieronymus
Titel: Brief 51. Ad Paulam et Eustochium. De virtute psalmorum
21v - 22v
,
(Stegmüller 435 ; PL 30, 305 ).
-
Autor: Damasus
Titel: Brief 5. Ad Hieronymum presbyterum
22v - 23r
,
(Stegmüller 384 ; PL 13, 440 ).
-
Titel: Pseudo-Hieronymus ad Damasum, Brief 47, Kap. 1
23r
(Stegmüller 398 ; PL 30, 294 ).
-
Autor: Cassiodor
Titel: Praefatio in psalterium, Kap. 1-4
23v - 26r
,
(Stegmüller 418 ; PL 70, 12-15 ).
-
Titel: Pseudo-Hieronymus ad Damasum
26r/v
, vgl. Brief 47, Teil von Kap. 3 (Stegmüller 406-407 ; PL 30, 296 ).
-
Autor: Isidor von Sevilla
Titel: Prooemium de psalterio
26v - 27r
,
(Stegmüller 5193 ; PL 83, 163-164 ).
-
Titel: Psalter mit Kommentar.
28r - 167v
-
28r Ps1 BE(ATUS VIR) ; Kommentar Tria hominum generalia.
-
50v Ps26 D(OMINUS inluminatio [!] mea).
-
63v Ps38 d(IXI custodiam).
-
89r Ps68 S(ALVUM ME FAC).
-
123r Ps101 d(OMINE EXAUDI).
-
137r Ps109 D(IXIT DOMINUS) .
-
140r Ps114 D(ILEXI QUONIAM EXAUDIET) .
-
Titel: Psalm 151 und Cantica.
168r - 182v
-
Titel: Symbolum Athanasianum mit Kommentar.
179v - 181v
-
Titel: Symbolum Nicaenum mit Kommentar.
182r/v
-
Titel: Kyrie mit Litanei
182v - 184r
(Coens 1963, 157-160 ).
Buchschmuck (nach:
Zensus)
-
Gerahmte Zierinitialen mit Flechtbandornament in Federzeichnung.
Überblicksbeschreibung:- Psalter mit Glossen Der stattliche Band enthält in eindrucksvoller Kalligraphie als Hauptteil den lateinischen Psalter (28r-167v), der in großer Minuskel stets die innere Kolumne der Seiten einnimmt, während sich der Kommentar eines bisher nicht identifizierten Autors in kleinerer Schrift auf den Außenspalten sowie auf den oberen und unteren Blatträndern ausdehnt. Dem glossierten Psalter schließen sich die Cantica (168v-182v) an, wobei die beiden Glaubensbekenntnisse, das Symbolum Athanasianum und das Symbolum Nicaenum, ebenfalls glossiert sind. Ihnen folgt die Litanei als Abschluß der Handschrift. Interessant ist der Anfang des Codex mit Offiziumstexten zu den Wochentagen (1r-7v), deren Kompilation auf Alkuin (um 730-804) zurückgeht, dem Kalendar (8r-15v) und Vorreden verschiedener Autoren (16r-27r), so z.B. von Hieronymus (347/348-419/420), Cassiodor (um 485-um 580) und Isidor von Sevilla (um 560-636). Die mit Hic citharista sedens David rex atque propheta - Hier sitzt David, der Lautenspieler, König und Prophet - beginnenden Verse (17v-19r) kopieren wohl die Beischrift zu einer Miniatur mit dem königlichen Psalmisten, die in dieser Handschrift jedoch fehlt. In der Textzusammenstellung von Dom Hs.45 spiegelt sich einerseits theologisches Interesse an der Psalmendeutung und andererseits der Wunsch nach einer liturgischen Nutzung, was auch einige wenig spätere Texte mit Neumen nahelegen. Die künstlerische Ausstattung mit großen, in Minium ausgeführten Initialen betont die acht Psalmen des morgendlichen Chorgebetes für die Wochentage und des sonntäglichen Vesperpsalms (1, 26, 38, [52], 68, 80, [97], 109). Diese Ordnung wird erweitert durch die Dreiteilung des Psalters (1, [51], 101). Schließlich setzt sich die Ausstattung der Vesperpsalmen nach Psalm 109 mit einer Initiale zu Psalm 114 für die Vesper am Montag fort, wird aber nicht weitergeführt. So entsteht der Eindruck, daß zwar verschiedene Möglichkeiten der Psaltergliederung beachtet, aber nicht konsequent befolgt worden sind. Die beiden letzten Initialen (137r, 140r) wurden wohl erst im 11./12.Jahrhundert und in geringerer Qualität ausgeführt. Der Initialstil setzt alemannische Buchkunst voraus, wie sie im St. Galler Lektionar Cod. 433 der dortigen Stiftsbibliothek bzw. in den beiden noch vor der Mitte des 10.Jahrhunderts entstandenen Reichenauer Lektionaren Aug. perg. 16 und 37 der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe überliefert ist. Erwähnenswert ist die vergleichbare Situation in Trier, wo das Evangeliar der Bibliothek des Priesterseminars (Hs.106) aus dem frühen 10.Jahrhundert eine St. Galler Vorlage in Art des Folchard-Psalters (St. Gallen, Stiftsbibl., Cod. 23) voraussetzt. Auch im Kalendar unseres Psalters ist eine alemannische bzw. süddeutsche Schicht mit den hll. Gallus, Otmar, Magnus, Kilian u.a. zu belegen, darüber hinaus eine kölnische mit den hll. Pantaleon, Gereon, Severin, Kunibert, Ursula sowie den Festen In Wirduna (Werden) s. Liudgeri (26.3.) bzw. Adventus s. Liudgeri epi. (25.4.) und vor allem mit dem Eintrag zum 4.Juli Translatio et ordinatio et dedicatio basilicis (!) magnae s. Martini episcopi , womit die Kirche Groß St. Martin in Köln gemeint sein muß. Ausschließlich auf Köln bezogene Nachträge, die u.a. den Tod des Erzbischofs Everger (985-999) zum 11.Juni vermerken, dürften am Anfang des 11.Jahrhunderts geschrieben worden sein. Auch die Litanei enthält Anrufungen von für Köln charakteristischen Heiligen. In seine Überlegungen zu dem mit Trier zu verbindenden Psalter des 1021 verstorbenen Bischofs Wolbodo von Lüttich (Brüssel, Bibl. Royale, Ms.9188-9189) bezog Konrad Hoffmann (1986) auch den Psalter Dom Hs.45 als kölnisches Werk ein, eine Lokalisierung, die schon Anton Chroust (1911) im Abwägen mit einer alemannischen Provenienz favorisierte. Raymund Kottje (1991) bestätigte die Beobachtungen Hoffmanns zum Schriftstil und verband diesen mit Kölner Handschriften der Zeit Erzbischof Evergers (Dom Hs.53 und Dom Hs.143, Kat.Nr.80). Bereits Georg Zilliken (1910) hatte auf zwei zur Datierung des Psalters wichtige Einträge aufmerksam gemacht: den im Kalendar ebenfalls am 4.Juli genannten Ulrich (Odelrici), der 973 verstorbene und schon 993 heiliggesprochene Bischof von Augsburg, sowie in der Litanei (184r) den Eintrag Et Oddonem regem perpetua prosperitate conservare digneris. Damit muß König Otto III. gemeint sein, bevor er im Jahre 996 zum Kaiser gekrönt wurde. Die Handschrift dürfte demnach gegen Ende des 10.Jahrhunderts, möglicherweise innerhalb der Jahre 993-996, entstanden sein - und zwar in Köln, wo sie von Anfang an benutzt wurde -, wohl unter Verwendung einer alemannischen Vorlage. Autor des Textes: Joachim M. Plotzek
