Erweitertes Kurzkatalogisat: Köln, Dombibliothek, Codex 14.
Namen und Signaturen: "91" (earlier shelf mark, FELii).
Titel: Evangeliar
Entstehungszeit: 3. Viertel 9. Jh.
Entstehungsort: Nordfrankreich (?)
Hauptsprache: Lateinisch
Secundo Folio: Beatissimo Papae.
Beschreibstoff - Zusatz: Pergament
Incipit: Beatissimo Papae Damaso Hieronimus novum opus me...
Explicit: ... et ego resuscitabo eum In novissimo die.
Inhaltsangabe (nach:
Glaube und Wissen)
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1v - 8r Vorreden (Stegmüller 595, 596, 581, 601, 590 ).
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1v Portrait des hl. Hieronymus.
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2r Initialzierseite NO (vum opus).
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5v S(ciendum etiam) und Vorrede zum Matthäusevangelium
Incipit: M(attheus ex Iudaea).
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9v - 15r Zwölf Kanontafeln (2I, 3II, III, IV, V, VI-VIII, IX-XMt, XMk,Lk, XJo).
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15v Trauernde Maria und Johannes. Die ursprünglich auf der Gegenseite dargestellte Kreuzigung fehlt.
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Titel: Evangelium nach Matthäus
16r - 65r
. Das Evangelistenbild fehlt.
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16r Titelzierseite INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM MATTHAEUM .
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16v - 17r Initial- und Schriftzierseite LI(BER GENERATIONIS) .
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17v - 18r Zierschriftseiten mit der Fortsetzung des Textes Ihsu XP isti - E liachim.
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Titel: Evangelium nach Markus
66r - 99v
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66r Vorrede MA(RCUS evangelista) (Stegmüller 607 ).
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66v - 67r Capitula (mit Argumentum übertitelt).
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67v Evangelist Markus; in seinem Buch der Anfang seines Evangeliums; Umschrift des Symboltondos MARCUS UT ALTA FREMIT VOX PER DESERTA LEONIS (Sedulius, Carmen paschalis 1.356 ; Schaller/Kölnsgen 9293 ; MGH PP III, 263 ).
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68r Titelzierseite INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM MARCUM .
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68v - 69r Initial- und Schriftzierseite INITIUM .
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Titel: Evangelium nach Lukas
100v - 158r
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100v Vorrede LU(CAS SYRUS) (Stegmüller 620 ).
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104v Evangelist Lukas; in seinem Buch der Beginn seines Evangelienberichtes FUIT IN DIEBUS ; Umschrift des Symboltondos IURA SACERDOTII LUCAS TENET ORA IUVENCI (Sedulius, Carmen Paschalis 1.357 ; Schaller/Kölnsgen 8555 ; MGH PP III, 263 ).
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105r Titelzierseite INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM LUCAM .
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105v - 106r Initial- und Schriftzierseite QUONIAM .
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Titel: Evangelium nach Johannes
158v - 200r
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158v Vorrede h(IC EST) (Stegmüller 624 ).
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160v Evangelistenbild; in seinem Buch der Beginn seines Evangeliums; Umschrift des Symboltondos MORE VOLANS AQUILAE VERBO PETIT ASTRA IOHANNES (Sedulius, Carmen Paschalis 1.358 ; Schaller/Kölnsgen 9781 ; MGH PP III, 264 ).
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161r Titelzierseite INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM IOHANNEM .
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161v - 162r Initial- und Schriftzierseite IN (PRINCIPIO).
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202r - 215r Perikopenverzeichnis (Typus Delta).
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213r ITEM LECTIONES EVANGELIORUM DE DIVERSIS CAUSIS .
Buchschmuck (nach:
Zensus)
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Fol. 1v Autorenbild des hl. Hieronymus
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Fol. 2r Initialzierseite "Novum opus": zwei ineinander verschlungene Zierbuchstaben NO aus weißem Flechtwerk auf dunklem Grund, N in Gold, O in Silber gerahmt. Beide Seiten haben einen gleichen eckigen Rahmen aus weißem Flechtwerk auf dunklem Grund mit bläulichen Füllungen, außen von goldenen, innen von silbernen Stäben eingefaßt. Die Eckquadrate sind gefüllt mit jeweils zwei versetzt aufeinanderliegenden Kreuzen, deren Enden in Lilienform auslaufen
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Fol. 9v - 15r Kanontafeln
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Fol. 15v Darstellung Marias und Johannes' des Täufers in einem eckigen Rahmen aus weißem Flechtwerk auf dunklem Grund mit gelblichen und grünen Füllungen, außen von goldenen, innen von silbernen Stäben eingefaßt. Die Eckquadrate sind jeweils gefüllt mit einem silbernen Kreuz auf einer grün-gelben Rosette. Das nächste Blatt, wahrscheinlich mit der Darstellung des Gekreuzigten und auf der Rückseite der des Evangelisten Matthaeus, fehlt.
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Fol. 16r Titelseite zum Matthaeus-Evangelium in goldenen Großbuchstaben, eingerahmt von einer Rundbogenarkade, deren Basen stilisierte Vögel und deren Kapitelle menschliche Gesichter zeigen
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Fol. 16v , 17r Initialzierseiten: "Liber Generationis" in goldenen Buchstaben (die Buchstaben L und I mit Ornamenten und Vogelköpfen verziert), umschlossen von einem Goldrahmen mit Flechtwerk, dessen Ecken stilisierte Vögel zusammenhalten
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Fol. 66r illuminierte ineinander verschlungene Zierinitialen MA
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Fol. 67v Autorenbild des Evangelisten Marcus, darüber Löwe mit Buchrolle in einem Rundschild mit Umschrift
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Fol. 68r Titelseite zum Marcus-Evangelium in goldenen Großbuchstaben, beide Seiten zeigen ähnliche Arkaden, deren vier Kapitelle den Löwenkopf tragen
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Fol. 68v , 69r Initialzierseiten: "I - nitium" in gold-silbernen Zierbuchstaben mit Flechtwerk und Vogelköpfen in Flechtwerkrahmen
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Fol. 100v illuminierte ineinander verschlungene Zierinitialen LU
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Fol. 104v Autorenbild des Evangelisten Lucas, über ihm Rundschild mit Umschrift, darin roter Stier mit Buchrolle
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Fol. 105r Titelseite zum LucasEvangelium in goldenen Großbuchstaben. Auf beiden Seiten die gleichen Arkaden mit Flechtwerkfüllung, auf den Kapitellen ein Stierkopf
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Fol. 105v , 106r Initialzierseiten: "Quoniam" in gold-silbernen Zierbuchstaben mit Flechtwerk in einem Flechtwerkrahmen
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Fol. 158v Schmuckinitiale H in Form eines Drachens
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Fol. 160v Autorenbild des Evangelisten Johannes, über ihm Rundschild mit Umschrift, darin Adler und Schriftrolle
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Fol. 161r Titelseite zum Johannes-Evangelium in goldenen Buchstaben. Beide Seiten tragen wieder die gleichen Arkaden, auf den Kapitellen diesmal der Adler
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Fol. 161v , 162r Initialzierseiten: "In principio" in gold-silbernen Zierbuchstaben; I und N ineinander verschlungen, mit Flechtwerk und Vogelköpfen. Beide Seiten zeigen den gleichen Goldrahmen mit Flechtwerk.
Überblicksbeschreibung:- Evangeliar Das Evangeliar Dom Hs.14 zeichnet sich durch seine kostbare Ausstattung aus, die sich nicht auf die reichliche Verwendung von Gold und Silber beschränkt. Vielmehr treten zu den Kanontafeln, Evangelistenbildern und Initialzierseiten als ergänzender Bildschmuck das Autorenportrait (1v) des Bibelübersetzers Hieronymus (347/348-419/420) und eine heute zur Hälfte verlorene Darstellung der Kreuzigung Christi hinzu (15v). Die doppelseitige Anlage aller Bild- und Zierseiten provoziert zudem eine Verdoppelung üblicher Ausstattungsschemata. Dem hl. Hieronymus steht der Anfang seines Briefes an Papst Damasus (366-384) als Initialzierseite (2r) gegenüber, den Evangelisten der Titel ihrer Berichte, der den Beginn des jeweils folgenden Evangeliums feierlich ankündigt. Diesem Beginn ist wiederum eine Schriftzierseite als Gegenstück zur Zierinitiale angehängt. Das Matthäusevangelium wird zusätzlich durch zwei sich anschließende Seiten in goldener Unzialschrift hervorgehoben, die fast den ganzen Stammbaum Christi als Beleg seiner Menschwerdung enthalten. Die Ausstattung des Evangeliars ist charakteristisch für die sog. franko-sächsische Schule, deren Zentrum sich zur Zeit Karls des Kahlen (840/843-877) wohl in Saint-Amand bildete, aber auch auf andere Skriptorien ausstrahlte. Typisch ist einerseits die Übernahme insularer Ziermotive, andererseits die Anlehnung an kontinentale Vorgaben vor allem aus der karolingischen Schule von Reims im allerdings selten auftretenden Figurativen. Während die sehr qualitätvolle Ornamentik und Schrift in einer Reihe von Handschriften in fast identischer Form überliefert sind (z.B. Paris, Bibl. Nat., Lat. 2 und Lat. 257; Köln, Schnütgenmuseum, G 531), werden in der Gestaltung der Figur erhebliche Diskrepanzen deutlich. So scheinen die Evangelisten in Dom Hs.14 von einer wenig geübten Hand insularer Prägung gemalt worden zu sein, doch entsprechen die Figurentypen dem Repertoire von Reims. Typisch für die sog. franko-sächsische Schule und ihr verwandte Handschriften ist auch die Verbindung von Evangelist und Symboltondo, in dessen breitem Rahmen häufig die Verse des spätrömischen Dichters Sedulius (1. Hälfte 5.Jh.) in dieser oder abgewandelter Form eingeschrieben sind (z.B. New York, Pierpont Morgan Libr., M 862; Köln, Schnütgen-Museum, G 531). Möglicherweise geben diese Verse auch einen Hinweis auf den Ursprung des Motivs: Zusammen mit den ganzfigurigen ungeflügelten Symboltieren - wie sie z.B. in den Mosaiken von San Vitale in Ravenna auftreten - könnten sie vielleicht auf einen frühchristlichen Archetypus zurückgehen (von Euw, Evangelien 1989). Nicht zum üblichen Schmuck eines Evangelienbuches zählend und in der Faltengebung etwas abweichend sind das Bild des Hieronymus - der hier als Mönch, und nicht wie in den späteren ottonischen Kölner Evangeliaren als Priester auftritt - und die beiden Begleitpersonen der verlorenen Kreuzigung Christi. Möglicherweise sind hier also Bildquellen anderen Ursprungs als Vorlage herangezogen worden. Um das System der doppelseitig angelegten Zierseiten nicht zu gefährden, mußten das Kreuz Christi auf der einen, Maria und Johannes auf der anderen Seite plaziert werden. Als Vorlage für die in den üblichen symmetrischen Darstellungen nach links gewendete Johannesfigur wurde daher Longinus, der in der Bildquelle die rechte Seite Christi mit der Lanze durchbohrte, bemüht. Ihm ist auch der auf der rechten Schulter geschlossene Militärmantel (Chlamys) zu verdanken, den Johannes sonst niemals trägt (von Euw 1990). Letztlich ist nicht genau zu bestimmen, wo die Handschrift entstanden ist. Laut brieflicher Mitteilung B. Bischoffs (1985) entstammt die Schrift nicht dem Skriptorium von Saint-Amand. Ob die qualitativen Mängel der Figuren auf eine Spätphase der Schule (von Euw, Evangelien 1989) oder eine Entstehung in der Peripherie, z.B. in Köln (Micheli 1939), schließen läßt, kann hier nicht entschieden werden. Autor des Textes: Ulrike Surmann
