Erweitertes Kurzkatalogisat: Köln, Dombibliothek, Codex 13.
Namen und Signaturen: "53"(?) (earlier shelf mark, f. 1r);
Titel: Hiltfred-Evangeliar
Entstehungszeit: 1. Viertel 9. Jh.
Entstehungsort: Westfränkisch(?)
Hauptsprache: Lateinisch
Secundo Folio: (3) usque ad finem.
Beschreibstoff - Zusatz: Pergament
Incipit: Beato Papae Damaso Hieronimus Novum Opus...
Explicit: ...In Tempore Belli
Inhaltsangabe (nach:
Glaube und Wissen)
-
1v - 7r Vorreden (Stegmüller 595, 596, 590 ) und Kanontafeln.
-
1v Evangelist Matthäus; in der Beischrift als MATTHEUS EVANGELISTA bezeichnet; über dem Symboltondo die Erläuterung des Dargestellten homo.
-
2r Brief des Hieronymus an Papst Damasus
.
Incipit: N(ovum opus)
-
3r Vorrede
.
Incipit: P(lures fuisse)
-
4r Vorrede zum Matthäusevangelium
; mit INCIPIT CANON überschrieben.
Incipit: M(attheus sicut in ordine)
-
4v
.
Explicit: EXPLICIT PROLOGUS
-
5r - 7r Fünf Kanontafeln (I, II, III-V, VI-XMt, Mk, Lk, XJo).
-
8r - 54r Evangelium nach Matthäus.
-
8r Vorrede zum Matthäusevangelium
(Stegmüller 590 ). EXPLICIT PROLOGUS .
Incipit: MATTHEUS SICUT in ordine
-
9r Beginn des Evangelienberichtes mit dem Stammbaum Jesu
. Hervorgehoben sind:
Incipit: LIBER GENERATIONIS
-
9v Bericht von der Geburt Christi
.
Incipit: XPISTI AUTEM GENERATIO SIC ERAT
-
47v Beginn der Leidensgeschichte
.
Incipit: ET FACTUM EST CUM CONSUMMASSET IHSUS
-
53r Beginn der Osterberichte
.
Incipit: VESPERE AUTEM
-
54r
Explicit: EXPLICIT EVANGELIUM SECUNDUM MATTHEUM.
-
55v - 90r Evangelium nach Markus.
-
55v Evangelist Markus; in der Beischrift als MARCUS bezeichnet; über dem Symboltondo die Erläuterung des Dargestellten LEO .
-
56r Vorrede
(Stegmüller 607 ).
Incipit: MARCUS EVAN gelista
-
56v Capitula
.
Incipit: E(T erat)
-
58r Beginn des Evangelienberichtes
.
Incipit: INITIUM EVANGELII
-
90r
.
Explicit: EXPLICIT EVANGELIUM SECUNDUM MARCUM
-
91r - 151r Evangelium nach Lukas.
-
91r Evangelist Lukas; über dem Symboltondo die Erläuterung des Dargestellten VITULUS .
-
92r Beginn des Evangelienberichtes
: Vogel, der eine Schlange gefangen hat; Fisch.
Incipit: Q(UONIAM quidem)
-
152r - 194r Evangelium nach Johannes.
-
152r Evangelist Johannes mit Beischrift JOHANNIS ; über dem Symboltondo die Erläuterung des Dargestellten AQUILA .
-
153r Beginn des Evangelienberichtes
. Hervorgehoben sind:
Incipit: I(N PRINCIPIO)
-
153v Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu
;
Incipit: ET HOC EST testimonium
-
162v Jo 6,1
Incipit: POST HAEC ABIIT;
-
194r
.
Explicit: EXPLICIT EVANGELIUM SECUNDUM IOHANNEM. AMEN
-
194v Fragment eines Capitulare evangeliorum (Commune sanctorum und Votivmessen) endend mit
; einfache Zeichnung einer männlichen Büste mit der Beischrift cum viderit tuus sit.
Explicit: IN TEMPORE BELLI
-
195r Federproben mit Auszügen aus dem Capitulare.
-
195v Federproben; einfache menschliche Köpfe, eine Notiz zur 3. Weihnachtsmesse (Introitus
und Jo 1,1ff.) und Allelujavers mit Neumen aus dem Commune confessoris non pontificis Beatus vir, qui suffert tentationem.
Incipit: Puer natus est
Buchschmuck (nach:
Zensus)
-
Ganzseitige Bilder der vier Evangelisten in Deckfarbenmalerei: Fol. 1v Matthaeus, Fol. 55v Marcus, Fol. 91r Lucas, Fol. 152r Johannes. Alle vier Evangelisten sitzen frontal auf den Kissen ihrer Throne unter Rundbogenarkaden, in deren Bogenscheitel sich Medaillons mit den jeweiligen Evangelistensymbolen befinden. Außer bei Lucas tragen die Bilder den Namen des Evangelisten und am oberen Blattrand den Namen des jeweiligen Symbols. Zierinitialen in brauner und roter Federzeichnung auf Fol. 92r Q(uoniam) ein Vogel frißt eine Schlange, Fisch als Cauda - und Fol. 153r I(n principio) mit Flechtbandfüllung.
Überblicksbeschreibung:- Hiltfred-Evangeliar Das Evangeliar ist nach Hiltfred benannt, der sich im Kolophon am Ende des Matthäusberichtes als Schreiber identifiziert (54r). Die drei weiteren Evangelien wurden dem Schriftbild nach von jeweils einem anderen Schreiber gefertigt. Offensichtlich war es nicht nur ihre Aufgabe, den Text nach einer Vorlage zu kopieren, sondern auch das Geschriebene korrigierend zu überarbeiten (scripsit et requivisit). Während im Matthäus-, Lukas- und Johannesevangelium relativ wenige Textänderungen nötig waren, lag dem Markusevangelium offenbar eine veraltete Textversion zugrunde, die der von Hieronymus (347/348-419/420) erarbeiteten Bibelübersetzung (Vulgata) angeglichen werden mußte. Diese Vorlage scheint insularen Ursprungs gewesen zu sein, denn dort und in insular beeinflußten Handschriften hat die verworfene Textfassung besonders häufig Spuren hinterlassen (z.B. Stockholm, Kungliga Bibl., A 135; Bibl. Vaticana, Barb. lat. 570; Maaseik, Evangeliar der Katharinenkirche; vgl. Fischer 1988-1991). Die Autorenbilder scheinen dem Typus nach derselben Tradition zu entstammen. Frontal thronend präsentieren sie ihre geschlossenen Bücher und Schriftrollen, Johannes hebt sogar segnend die Hand. Weniger als schreibende Autoren, denn als repräsentierende Autoritäten sind sie ihren Schriften vorangestellt. Relativ selten in dieser Form überliefert, finden sie sich jedoch vergleichbar in der insularen Buchmalerei (z.B. Stockholm, Kungliga Bibl., A 135). Dort sind auch die in den Arkadenbogen versetzten Symboltondi mit und ohne erläuternde Beischrift (z.B. Trier, Domschatz, Hs.134/61; Maaseik, Evangeliar der Katharinenkirche) bezeugt. Letztlich spiegeln sich darin italo-byzantinische Vorbilder, die im Gefolge der Missionierung von Italien aus nach England gelangt sind (von Euw, Evangelien 1989) und die auch in den Handschriften der Hofschule Karls des Großen (768-814) nachwirkten (Boeckler 1952/53). Die Autorenportraits von Dom Hs.13 folgen alle demselben Typus, unterscheiden sich jedoch in der Ausführung. Sicherlich waren mehrere Buchmaler am Werk, doch scheinen sie auch verschiedene Modelle zu einem einheitlichen Zyklus verschmolzen zu haben. Da alle Evangelistenbilder auf Einzelblätter gemalt und anschließend in die Lagen eingebunden wurden, ist eine Identität von Schreibern und Malern unwahrscheinlich. Die Handschrift enthält neben den vier Berichten über das Leben Jesu den Brief des hl. Hieronymus an Papst Damasus (366-384) Novum opus und seine Überlegungen zur Vierzahl der Evangelien Plures fuisse als Vorreden. Gleich doppelt erscheint der Prolog zum Matthäusevangelium, von denen einer mit Incipit canon überschrieben ist, also ursprünglich nicht an dieser Stelle vorgesehen war. Die Evangelienkonkordanz ist auf viereinhalb wenig dekorative Kanontafeln zusammengedrängt. Den Abschluß bildet das Fragment eines Perikopenverzeichnisses, das insgesamt eher den Eindruck einer Federprobe macht. Dennoch scheint das Evangeliar in der Liturgie verwendet worden zu sein, denn vor allem am Rand des Matthäustextes findet sich eine Reihe von Perikopenvermerken in einer Kurzschrift (tironische Noten). Sie beschränken sich allerdings auf die Zeit nach Weihnachten. Autor des Textes: Ulrike Surmann
